Bundesliga im Sunshineavenue Test !
Die Fußball-Bundesliga geht in ihre 49`te Saison. In unserer Serie testen wir täglich Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Nach unten scrollen
Alle Spiele der Mission Erfüllt Saison in drei packenden Stunden.
Bundesliga im TEST
Die Liga wird wieder Hertha
In unserer neuen Serie unterziehen wir die Vereine der Fußball-Bundesliga einem Stresstest. Los geht's mit Hertha BSC. Die Berliner haben zwar ihren Kader verstärkt, suchen aber noch ein spielerisches Konzept.
Was hat sich verbessert?
Die Liga. „Die Ansprüche steigen“, lautet das neue Mantra von Trainer Markus Babbel. In der Zweiten Liga hat Hertha BSC viele Spiele über die individuelle Qualität gewonnen, das wird gegen Mannschaften wie Dortmund und Bayern München schwer. Um mithalten zu können, hat Hertha vier erstligaerprobte Neuzugänge verpflichtet.
Im Tor dürfte Thomas Kraft ein leistungstechnisches Upgrade zum mitunter wackligen Aufstiegskeeper Maikel Aerts sein, war aber bei Bayern München auch mitunter wacklig zwischen den Pfosten. Maik Franz könnte in der Innenverteidigung Roman Hubnik oder Kapitän Andre Mijatovic verdrängen, was wiederum Unruhe bringen dürfte – und Probleme mit den Schiedsrichtern. Andreas Ottl, ebenfalls vom FC Bayern, ist ein technisch guter Mittelfeldabräumer, muss allerdings mit Peter Niemeyer oder Fabian Lustenberger um seinen Platz ringen. Der spielstarke Tunay Torun kann ein Gewinn auf praktisch jeder Offensivposition sein, aber mit seinen wilden Dribblings auch in praktisch jeder Defensivposition hängenbleiben.
Wer sind die Stars?
Neben den Neuen logischerweise die Alten. Der Kolumbianer Adrian Ramos war zwei Spielzeiten in Folge Herthas Toptorschütze, er könnte es nun ein drittes Mal werden. Oder Pierre-Michel Lasogga löst ihn ab, wenn er den nächsten Entwicklungsschritt macht. Dass Hertha mit beiden verlängern konnte, war wichtig. Auch Raffael wäre in dieser Rubrik zu nennen. Doch wenn der Brasilianer nicht beständiger und torgefährlicher wird, läuft er Gefahr, dass sein gelegentlicher Bankstatus der vergangenen Saison auf „dauerhaft“ abgestuft wird.
Wer hat das Sagen im Verein?
Michael Preetz. Er hat Hertha Demut, Ruhe und Kiezverbundenheit verordnet, und damit den Eindruck seines ersten Dienstjahres, das gleichzeitig Abstiegsjahr war, wieder wettgemacht. Nach dem Aufstieg sicherte er Hertha vier von vielen Vereinen umworbene Verstärkungen und mistete erfolgreich den Kader aus (den er allerdings zuvor mit zugemistet hatte). Trainer Markus Babbel spricht sich eng mit ihm ab. Das ist auch ratsam, wenn er seine erste komplette Saison als Bundesliga-Cheftrainer durchstehen will. Dazu müsste der Mann mit dem neuen Wikinger-Tattoo auch zeigen, dass seine Mannschaften nicht nur Motivation, Wille und Fitness auszeichnet, sondern auch ein spielerisches Konzept.
Wie steht es um die Finanzen?
Nicht gut. Aber besser, als es bei einem Nichtaufstieg ausgesehen hätte. Nach der Acht-Millionen-Euro-Finanzspritze eines Investors betragen die Schulden jetzt offiziell „nur“ noch 31 Millionen Euro. Irgendwann müsste man die mal abtragen, aber wann nur? Keiner der Neuen kostete Ablöse, für einen flinken Linksverteidiger wie Malik Fathi war trotzdem kein Geld da. Obwohl der Berliner Etat mit 54 Millionen Euro so hoch ist wie der von Mainz 05. Die spielen im Europapokal.
Was erwarten die Fans?
In Berlin? Traditionell viel. Das ist genau das Problem. Die Ansprüche steigen auch hier. Während Hertha offiziell nur von nichts als dem Klassenerhalt spricht, haben nicht alle Fans die neue Demut aus der Zweiten Liga mitnehmen können. Viele halten Abstiegs- und Zweitligasaison für einen zweijährigen Betriebsunfall und glauben, dass Hertha direkt wieder um die Europapokalplätze spielt. Wie reagieren sie bei einem Fehlstart?
Was ist in dieser Saison möglich?
Hertha BSC muss sich zwar nicht wie Mitaufsteiger Augsburg Anfahrtspläne für die Erstligastadien besorgen. Aber dass Vereine wie Wolfsburg, Bremen, Stuttgart, der HSV und Schalke wieder die vorderen Plätze wie vorvorletzte Saison für die Berliner räumen , ist doch unwahrscheinlich. Ein Mittelfeldplatz ohne Abstiegssorgen wäre ein gutes Ergebnis. Ein Klassenerhalt in letzter Sekunde eigentlich auch.
Der FC Augsburg will grüner punkten
Der FC Augsburg startet mit dem kleinsten Etat, aber neuem Selbstvertrauen in seine erste Bundesliga-Saison. Das Ziel ist klar formuliert: Abstiegskampf pur, alles andere wäre auch ganz großer Quatsch
Was hat sich verbessert?
Das Selbstbewusstsein. Ganz knapp, bevor dem FC Augsburg ein Ruf wie Fürth oder früher Mainz 05 drohte, entschloss sich der Klub doch noch zum erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga. Als Tabellenzweiter hinter Hertha BSC, zwar punktgleich mit dem Relegationsplatz, jedoch mit dem besseren Torverhältnis gegenüber dem VfL Bochum. Seitdem sind alle Augsburger gefühlt um 1,20 Meter gewachsen, die ganze Stadt ordert Dauerkarten für die Erstliga-Spielzeit, bereits 17 500 Tickets hat der Klub abgesetzt – und den Verkauf gestoppt.
Die sehnsuchtsvollen Blicke in die benachbarte Großstadt, ins erfolgsverwöhnte München, sind etwas seltener geworden.
Wer sind die Stars?
In Augsburg gibt es keine Stars, außer das Ensemble der hiesigen Puppenkiste vielleicht. Prägende Spieler heißen Uwe Möhrle, Nando Rafael oder Jan-Ingwer Callsen-Bracker, hinzu kommen Zugänge wie Sebastian Langkamp (Karlsruher SC), Dominic Peitz (Union Berlin) oder Sascha Mölders (FSV Frankfurt). Stürmer Michael Thurk ist zwar das bekannteste Gesicht – aber ein Star? Vielleicht noch eher Lorenzo Davids, der 13 Jahre jüngere Cousin von Edgar Davids, der zumindest aussieht wie ein großer Fußballer. Bleibt die Hoffnung auf den einen Hammerzugang, der die Mannschaft mitreißt und seine Mitspieler motiviert. „Wir jagen doch alle das große Phantom“, sagte Geschäftsführer Andreas Rettig zynisch: „Jung, deutsch und kostet nichts.“
Wer hat das Sagen im Verein?
Mächtigster Mann der Fußball-GmbH des Klubs ist Vorstandsboss und Vereinspatron Walther Seinsch. Der ist jedoch gesundheitlich seit einiger Zeit angeschlagen, konnte in der Aufstiegssaison nicht alle Spiele im Stadion verfolgen. Geschäftsführer Rettig und Trainer Jos Luhukay („Jos, we can“) haben den Aufstiegskader geformt und eine derzeit entsprechend starke Position. Luhukay wurde von Seinsch gar mit einer kuriosen Job-Garantie ausgestattet, selbst wenn Augsburg „alle 34 Spiele verliert“, dürfe er bleiben. Der Niederländer wird es nicht darauf ankommen lassen wollen.
Wie steht es um die Finanzen?
Mau. Mit nur 30 Millionen Euro hat der Klub den mickrigsten Etat der Liga. Rettig rechnet offen vor, dass der FC St. Pauli in der vergangenen Erstligasaison zehn Millionen Euro mehr zur Verfügung hatte – und trotzdem souverän abstieg. Zwei erfahrene Bundesligaprofis sollen bis zum Ligastart trotzdem noch kommen, für die Außenbahn und das zentrale Mittelfeld. Das Problem: Der FC Augsburg bräuchte gefühlt fünf oder sechs Spieler dieser Kategorie, um die Klasse zu halten.
Was erwarten die Fans?
Abstiegskampf pur, alles andere wäre auch ganz großer Quatsch. Was auch eine Umfrage des Lokalblatts „Augsburger Allgemeine“ belegt: Nur acht Prozent erwarten den FCA im gesicherten Mittelfeld, der Rest befürchtet den Abstiegskampf. Oder gar Schlimmeres. Trotzdem wollen alle Bundesliga sehen: Pünktlich zum Start des Einzelticketverkaufs an diesem Dienstag brachen die Telefonleitungen zusammen. Einzelne Fans standen bereits seit nachts um ein Uhr vor der Geschäftsstelle an. Nachts um eins! In Augsburg!
Was ist in dieser Saison möglich?
Der FC Augsburg braucht gewiss einen guten Saisonstart und die ein oder andere Überraschungsmannschaft, die sich spontan mit in den Keller gesellt. Die Testspiele geben bislang wenig Aufschluss über die Leistungsfähigkeit des Kaders – schließlich ging es meist gegen unterklassige Klubs aus der Region: 2:0 gegen den TSV Gersthofen, 5:0 gegen den FC Ismaning, 2:0 gegen den FC Memmingen, schließlich 15:1 gegen eine Auswahl von Freizeitkickern des Hauptsponsors. Trotz dieser Kaliber attestierte Trainer Luhukay hinterher: „Wir hatten große Schwierigkeiten, unsere Angriffe zu Ende zu bringen.“ Und blickte unheilvoll voraus: „In der Bundesliga bekommen wir vielleicht zwei oder drei Chancen. Da muss eine drin sein.“
Und sonst?
Wenn das Punkten auf dem Platz schon schwerfällt, dann wenigstens mit dem neuen Stadion: Das ist CO2-neutral, durch Wärmepumpen und Wasserkraft läuft der Betrieb so sparend wie möglich. Toll. Dafür gibt’s einen Punkt – zumindest einen grünen.
Borussia Mönchengladbach wurde erweckt
Nach dem Nicht-Abstiegs-Wunder herrscht bei Borussia Mönchengladbach immer noch helle Freude. Nur ist es möglich, dass die Fan nun vielleicht zu viel erwarten.
Was hat sich verbessert?
In Mönchengladbach ist man schon froh, dass sich die Situation nicht verschlechtert hat. Bei normalem Lauf der Dinge hätte die Mannschaft schon am Wochenende den Spielbetrieb wieder aufgenommen – in der Zweiten Liga. Seit dem Winter war sie de facto abgestiegen, die Rettung in der Relegation gilt immer noch als Wunder und wird von den Verantwortlichen zu Recht als Akt der Gnade empfunden. Doch so aufreibend die Rückrunde am Abgrund auch gewesen sein mag, der glückliche Ausgang der Geschichte scheint den Klub aus dem Zustand der Lethargie gerissen zu haben.
„Ich habe das Gefühl, dass unsere Jungs viel mitnehmen von diesen Erlebnissen“, sagt Sportdirektor Max Eberl. Das sollte als Verbesserung eigentlich reichen.
Wer hat das Sagen im Verein?
Stefan Effenberg jedenfalls nicht. Dass die Revolte des einstigen Fanlieblings krachend gescheitert ist, hat die Vereinsführung vor allem Trainer Lucien Favre und seiner erfolgreichen Mission Klassenerhalt zu verdanken. Der Schweizer hat sich damit en passant eine solide Machtposition geschaffen. Favre darf die Mannschaft nun in seinem Sinne verändern – sofern es die Finanzen zulassen (siehe unten). Das bedeutet: Wer nicht mindestens gehobene technische Fertigkeiten mitbringt, wird es schwer haben. Tobias Levels, der eher über den Kampf kommt, und Mohamadou Idrissou, bei dem Fußball schnell zum Glücksspiel wird, sind offiziell zum Verkauf freigegeben. Proteste gab es nicht.
Wer sind die Stars?
Neben Favre (siehe oben) und dem Beim-nächsten- Mal-klappt-es-bestimmt-Nationalspieler Marco Reus besitzt Torhüter Marc-André ter Stegen beste Perspektiven. Der 19-Jährige ist nach gerade sechs Bundesligaspielen von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke bereits in die Nähe der Nationalmannschaft gerückt worden. Ter Stegens Wert könnte sogar noch steigen: Wenn die Gladbacher ihre Probleme im Offensivspiel nicht beheben, wird der Erfolg in noch größerem Maße von ihrem Jung-Siegfried im Tor abhängen.
Wie steht es um die Finanzen? Was Klaus Wowereit sein „Arm, aber sexy“, ist bei den Gladbachern: „Wir sind nicht reich, aber gesund.“ In diesem Sommer aber sind leichte Bedenken am Wohlbefinden des Klubs aufgekommen, weil er zum ersten Mal seit Jahren nicht nennenswert in die Mannschaft investieren konnte. „Bei Transfers kommt es nicht darauf an, möglichst viel Geld auszugeben, sondern intelligent zu handeln“, sagt Geschäftsführer Stephan Schippers. Dass man aber nur bedingt von einer stringenten Einkaufspolitik sprechen kann, zeigt der Fall Yuki Otsu. Nach seinem Probetraining wurde der Japaner zunächst wieder nach Hause geschickt, jetzt kommt er doch, obwohl Favre nicht vollständig von ihm überzeugt war. Doch das muss nichts heißen. Bei Hertha befand der überanspruchsvolle Favre einst auch Ibrahima Traoré, Manuel Schmiedebach und den Testspieler Ivan Perisic für nicht gut genug.
Was erwarten die Fans?
Vielleicht zu viel. Die wundersame Rettung des Monsieur F. hat eine Euphorie ausgelöst, die in keinem Verhältnis zum realen Tabellenplatz der Vorsaison (zur Erinnerung: 16) steht. Die lange vorherrschende Wut auf das eigene Team ist einer Aufbruchstimmung gewichen. 27 500 Dauerkarten hat der Verein verkauft und damit sogar den Rekord aus der Saison 2006/07 übertroffen. Das ist ebenso bemerkenswert wie besorgniserregend: 2007 stieg der Verein zum zweiten Mal in die Zweite Liga ab.
Was ist in dieser Saison möglich?
Die Gladbacher haben das Ziel der vergangenen Saison auf Wiedervorlage gesetzt. Sie wollen das Wort Abstieg nicht mehr in den Mund nehmen, was ihnen im ersten Versuch nicht ganz so überzeugend gelungen ist. Dass Sportdirektor Eberl „endlich mal wieder die 40-Punkte-Marke knacken“ will, ist nach der Vorgeschichte durchaus ambitioniert, andererseits aber auch sehr bescheiden – wenn man die Rückrunde zum Maßstab nimmt. Da holte die Mannschaft 26 Punkte, mal zwei macht 52 und hätte für Platz sechs gereicht. Aber wie hat ein großer bayerischer Philosoph einmal gesagt: „Fußball ist keine Mathematik.“
Und sonst?
Mit 21 Jahren hat Dennis Dowidat nun endlich seinen ersten Profivertrag bei den Gladbachern unterschrieben. Dabei sollte der junge Mann längst ein Star sein. Die Borussen haben so sehr an den früheren Junioren-Nationalspieler geglaubt, dass sie in der U 15 seinem internen Konkurrenten, einem gewissen Lewis Holtby, nachdrücklich einen Vereinswechsel empfahlen. Weil Dowidat in der Folge aber mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen hatte, ist die Geschichte etwas anders verlaufen als geplant.
VfL Wolfsburg: Bunte Arme, keine Kekse
Felix Magath will beim VfL Wolfsburg ohne Egoismen zurück zum Erfolg. Das Ziel hat ist klar formuliert: Magath will mit den Niedersachsen in den internationalen Fußball.
Was hat sich verbessert?
Das Miteinander. Nach einer von Egoismen geprägten vergangenen Saison ist das Team des VfL Wolfsburg auf dem besten Weg, sich als Kollektiv zu verstehen. „Der Trainer verlangt von uns, dass wir nicht an uns, sondern an die Mannschaft denken“, sagt Makoto Hasebe. Im Trainingslager teilt sich der japanische Mittelfeldspieler ein Hotelzimmer mit seinem südkoreanischen Kollegen Ja-Cheol Koo. „Unsere Länder sind nicht die besten Freunde.
Aber wir beide mögen uns“, versichert Hasebe. 24 Spieler aus zwölf Ländern stehen im Kader, theoretisch müsste Englisch also die Amtssprache dieser Mannschaft sein. Tatsächlich gibt Magath aber mit Pfiffen und auf Deutsch den Ton an.
Wer sind die Stars?
Gemessen an den Autogrammwünschen und Schlagzeilen ist Diego immer noch die schillerndste Persönlichkeit des VfL. Aber der in Ungnade gefallene Spielmacher darf nur noch mit trainieren, damit sein Marktwert nicht weiter sinkt. Bis zum 31. August soll Diego spätestens verkauft sein, damit der Star des VfL wieder seine Mannschaft ist.
Wer hat das Sagen im Verein?
So lange der VfL ein Erfolgsmodell ist, mischen sich die Entscheider des geldgebenden Volkswagen-Konzerns nicht in die Belange ihrer sportiven Tochter ein. So kommen keine Unstimmigkeiten auf: Trainer Magath entscheidet sich für einen neuen Spieler, dessen Gehalt und Ablösesumme Manager Magath dann aushandelt, um das Ganze von Geschäftsführer Magath abzeichnen zu lassen. So spart er im Konferenzraum viele Kekse und jede Menge Tee und Kaffee.
Wie steht es um die Finanzen?
Angesichts der Finanzkraft des VfL Volkswagen war Magath bisher erstaunlich geizig. Mit Srdjan Lakic (Kaiserslautern), Marco Russ, Timo Ochs (beide Frankfurt) und Salihamidzic (Juventus Turin) ist klug, aber nicht ausufernd eingekauft worden. Einen Großteil des im Winter durch den Verkauf von Edin Dzeko eingenommenen Geldes bekommt jetzt der ausgemusterte Diego, der brav zur Arbeit erscheint und damit sein Jahresgehalt von rund sechs Millionen Euro absichert. Es steht also, aus Diegos Sicht, sehr gut um die Finanzen.
Was erwarten die Fans?
Dass sich Felix als Quälix betätigt, die Profis sollen sich tüchtig schinden. Deshalb wird der Einsatz von Medizinbällen stets mit Applaus belohnt.
Was ist in dieser Saison möglich?
Magath will in den internationalen Fußball. „Wir müssen lernen, einfach und schnell nach vorne zu spielen. Das will der Trainer“, sagt Neuzugang Ochs. Mit dieser geradlinigen Art hat es Magath vor zwei Jahren schon einmal geschafft, den VfL zum Meister zu machen.
Und sonst?
Kommt Farbe ins Spiel. Der Däne Simon Kjaer und der Hesse Marco Russ dürften eine Furcht erregende Innenverteidigung bilden. Bei beiden ist der Teint des Unterarms angesichts ihrer Tätowierungen nicht mehr zu erkennen. Russ verweist darauf, dass ihn die christlichen Motive auf seiner Haut auch vor Verletzungen auf dem Platz schützen sollen. Na dann.
Schalke 04: Es darf wieder gelacht werden
Nach Felix Magath soll bei Schalke 04 mal wieder ein Neuanfang gelingen: mit Rangnick, Raul und Kegelabend.
Was hat sich verbessert?
Die meisten Spieler und Verantwortlichen des Klubs werden sagen: nach Magath alles. Dafür spricht nicht nur, dass in diesem Sommer so viele Spieler weggeschickt wurden. Auch die Stimmung hat sich deutlich gebessert: Auf dem Trainingsplatz darf wieder gelacht werden, daneben darf Manager Horst Heldt wieder rauchen – Magath hatte ihm das verboten. Hätte er mal bei Rudi Assauer versuchen sollen. Clemens Tönnies trat bei der Jahreshauptversammlung nach: Durch Magath habe es einen „Riss durch den Verein gegeben.
Das darf nie wieder vorkommen.“ Nichts Neues, bei Schalker Versammlungen ist noch häufiger die Rede von einem Neubeginn als bei Sonderparteitagen der FDP.
Wer sind die Stars?
Nach Neuers Wechsel zu Bayern beantwortete sich die Frage nach der neuen Identifikationsfigur relativ schnell: Benedikt Höwedes ist der Leistungsträger, der Neu-Nationalspieler stammt aus der Gegend und wurde zum Kapitän ernannt. Daneben wird in der Kurve zwei Spielern besondere Huldigung zuteil. Mit dem Hit von KC and the Sunshine Band „Give it up“ wird Kyriakos Papadopoulos besungen und die Wertschätzung für Raul spiegelt sich im Chant wider: „Keine Schale in der Hand, keine Kohle auf der Bank, sch..egal, wir haben Raul.“
Wer hat das Sagen im Verein?
Zunächst einmal nicht mehr eine Person (siehe oben), was viele ganz toll finden, aber auch eine Kehrseite hat. Der Aufsichtsratschef und Fleischfabrikant Clemens Tönnies ist der starke Mann im Verein, doch hat er mit Trainer Ralf Rangnick jemanden um sich, der laut Rudi Assauer selbst regeln will, wie der Busfahrer den Wagen zu lenken habe. Dass Tönnies „eine Standleitung zum Boulevard“ hat, ist kein Geheimnis – und so legte er zum Transfer mit Jens Lehmann bereits öffentlich sein Veto ein, als der Trainer den Gedanken noch gar nicht zu Ende gedacht hatte. Den großen Zoff vermeiden soll Manager Horst Heldt, der als großer Hoffnungsträger gilt.
Wie steht es um die Finanzen?
In Schalke wirtschaftet man seit Jahren nach dem Motto: „Erst mit Champagner gurgeln und dann mit Coupons bezahlen.“ Schalke drücken Schulden – vom Verein heißt es: Verbindlichkeiten – in dreistelliger Millionenhöhe. Der Verein ist das Griechenland der Liga, die Stadt Gelsenkirchen spannte des Öfteren den Rettungsschirm. In dieser Saison hieß es, man setze auf wirtschaftliche Konsolidierung – wie in jedem Jahr. Rangnick ärgerte sich, dass ihm diese finanziellen Einschränkungen bei Spielertransfers nicht bekannt gewesen seien. Genau auf diese Art hatte sich Magath zu Beginn seiner Amtszeit geäußert.
Was erwarten die Fans?
Spötter sagen, Schalkes Fans erwarten wie in jedem Jahr die Meisterschaft, würden sich aber auch freuen, wenn es zu mehr reicht. In Wirklichkeit ist Platz fünf das erklärte Ziel und viel wichtiger der von Willy Brandt bekannte Leitfaden: „Mehr Demokratie wagen.“ Magath hatte den Anhängern beinahe das Mitspracherecht entzogen, was in Schalke in etwa so ist, als würde der britische Premierminister David Cameron den Buckingham Palace verpfänden. Jetzt will sich der Klub anders präsentieren: Es gab ein Spiel gegen eine Bergbauauswahl und einen Kegelabend mit den Fans. In den Siebzigern ließ Schalke-Trainer Rudi Gutendorf seine Spieler im Morgengrauen vor einer Zeche antreten – es ist eine Frage der Zeit, bis Rangnick es ihm gleichtut.
Was ist in dieser Saison möglich?
Die Offensive ist das Prunkstück: Raul, Huntelaar, Holtby, Farfan und Draxler gehören zur gehobenen Bundesliga-Klasse. Die jahrelang vakante linke Abwehrseite wurde mit Christian Fuchs gut besetzt. Entscheidend wird sein, ob der Spanier Jose Manuel Jurado im Mittelfeld sein großes Potenzial abrufen (wenn er nicht vorher verkauft wird) und Torhüter Ralf Fährmann nach der Ära Neuer ein guter Rückhalt sein kann. Rangnick wird Forechecking spielen lassen, doch von der Balance zwischen Abwehr und Angriff hängt viel ab. Es soll Experten geben, die darauf wetten, dass Schalke unter den ersten drei landet. Realistischer ist Platz fünf – zunächst einmal.
Und sonst?
Albert Streit, in Schalke besser bekannt als „Florida-Rolf“, geht in sein letztes Vertragsjahr. Ein Abschiedsspiel wird es wohl nicht geben.
Werder Bremen: Die schwer Erziehbaren
Bremens neue Welt: Machtkämpfe in der Führung, dazu ein Haudrauf und eine Skandalnudel im Team - kann der schwer erziehbare Kader wieder vorne mitspielen?
Was hat sich verbessert?
Auch in größter Unruhe hat der Klub zuletzt kühlen Kopf bewahrt. In Wolfsburg gingen in schwierigen Zeiten zwei Trainer über Bord, in Stuttgart nahm (neben zwei Trainern) der Steuermann Erwin Staudt gerade Abschied, in Hamburg katapultierte es (neben einem Trainer) die Führungscrew mit Bernd Hoffmann und Katja Kraus über die Reling. Und in Bremen? Dort dürfen derselbe Cheftrainer und Vorstandschef weiterhin das Ruder führen
Thomas Schaaf und Klaus Allofs. Wie seit 1999. Doch die Zeiten sind unruhiger geworden, vor allem vor dem Hintergrund ausbleibender Einnahmen aus dem Europapokal.
Wer sind die Stars?
Noch immer bietet der einst größte Konkurrent des FC Bayern eine namhafte Belegschaft an. Mit Tim Wiese, der im Tor tatsächlich glaubt, so gut wie Manuel Neuer zu sein. Mit Per Mertesacker, ein kluger Kopf mit leider kaputter Ferse. Mit Nebenmann Naldo, seit einem Jahr mit kaputtem Knie allerdings auch außer Gefecht. Gesund sind andere: Marko Marin hätte alle Fähigkeiten, die stilprägende Identifikationsfigur zu werden. Vorne stellt Schlitzohr Claudio Pizarro – sofern nicht gerade wieder eine Muskelfaser gerissen ist – eine besondere Klasse dar. Die Frage ist noch, wer in Zukunft den Part von Torsten Frings übernimmt. Leihspieler Sokratis Papasthathopoulos hat sich zwar gerade die Frings-Nummer 22 ausgesucht, aber ein bissiger Chef auf dem Platz wird der schüchterne Grieche eher nicht. Dafür hat der 23-Jährige am Donnerstag bei seiner Vorstellung den schönen Satz gesagt: „Ich komme zu einem Verein, der kompetent und konkurrenzfähig ist.“
Wer hat das Sagen im Verein?
Das haben sich zuletzt selbst Chefideologen an der Weser gefragt. Eigentlich schien klar, dass Vorstandsboss Klaus Allofs niemand das Wasser reichen kann. War im Erfolgsfall auch so. Doch sein Gegenspieler und Vorgänger Willi Lemke hat den Machtkampf geprobt, indem er öffentlich auf den Sparzwang verwies und vorläufig einen Transferstopp verfügte. Der UN-Sonderbotschafter, Ex-Senator und Ex-Manager ist mit seinem Einfluss im Kontrollgremium nicht zu unterschätzen. Ohne sein Ja-Wort geht derzeit wenig.
Wie steht es um die Finanzen?
Die nächste gute Frage. Acht Jahre in Folge haben die Bremer grundsolide Bilanzen vorgelegt; stets kleine, feine Gewinne ausgewiesen. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 126 Millionen – aber auch nur, weil Werder wie in sechs der sieben vergangenen Jahre ordentlich Geld aus der Champions League abgezweigt hat. „Uns fehlen 25 Millionen Euro aus der Königsklasse“, räumt Allofs ein, „und wir haben keinen Mesut Özil verkauft, das ist eine ganz einfache Rechnung." Ergo müsse man sparen, sparen und sparen. Und vielleicht gegen Ende der Transferperiode noch einen Hochkaräter vom Kaliber Wiese, Mertesacker oder Marin verkaufen. Unklar ist, inwieweit der sündhaft teure Stadionumbau (Kostenpunkt 76 Millionen Euro) die Bremer Finanzkraft wirklich belastet.
Was erwarten die Fans?
Der Fanbeauftragte Dieter Zeiffer ist tiefenentspannt. „Der Bremer Fan vertraut Thomas Schaaf und Klaus Allofs total. Internationaler Fußball wäre schön, aber unsere Anhänger sind bodenständig und wissen um die natürlichen Gegebenheiten.“ Soll heißen: Die Erwartungen sind eher gering. Zeiffer sagt: „Die meisten sind froh, wenn wir nicht wieder in den Abstiegskampf rutschen.“ Die treuen Dauerkarteninhaber auf der Südtribüne erwarten in Wirklichkeit aber ein bisschen mehr.
Was ist in dieser Saison möglich?
Nur wenn alle Stars bei Kräften sind, kann der SV Werder wirklich wieder vorne mitspielen. Und wenn alle zusammenhalten. Doch niemand weiß, wann Naldo oder Mertesacker, Mikael Silvestre oder Sebastian Prödl wieder zurückkommen; keiner kann vorhersagen, ob sich dieser schwer erziehbare Kader wirklich zähmen lässt. Und eine Abwehr, in der ein Haudrauf wie Andreas Wolf den Ton angeben muss, wirkt nicht gerade vertrauenserweckend.
Und sonst?
Schauen viele auf Skandalnudel Marko Arnautovic. Er steht symbolisch für die grün-weiße Gratwanderung, hat gerade im Testspiel in Freiburg zwei schöne Tore geschossen und strengt sich im Training an. Das sah im Trainingslager in Donaueschingen richtig gut aus. Aber der 22-jährige Exzentriker hatte davor in einer österreichischen Zeitschrift lieber über Autos, Schuhe und Silikonbrüste fabuliert. Das kam weniger gut an.
VfB Stuttgart: Start ins Ungewisse
Beim VfB Stuttgart hat sich im Vergleich zur letzten Saison einiges verändert. Ob zum Positiven, muss sich allerdings erst noch zeigen.
Was hat sich verbessert?
Das Stadion. Das Bauwerk, das 1933 als Adolf-Hitler-Kampfbahn das Licht der Welt erblickte, ist endlich keine Baustelle mehr, sondern ist für rund 60 Millionen Euro in ein reines Fußballstadion umgebaut worden. Die Fans trennen nur wenige Meter vom Feld. Sogar aus der Herren-Toilette in der Cannstatter Kurve kann man noch auf das Spielfeld blicken.
Wer sind die Stars?
Ob der champions-league-erfahrene Däne William Kvist in eine derartige Rolle hineinwachsen kann, muss sich zeigen.
Da Christian Träsch für rund acht Millionen Euro nach Wolfsburg wechselt, bleibt diese Rolle an Cacau, Tamas Hajnal und Shinji Okazaki hängen – die alle kaum Starpotential besitzen. Zdravko Kuzmanovic muss seinen Aufwärtstrend zum Ende der vergangenen Saison bestätigen. Torwart Sven Ulreich wird genug zu tun haben, die wacklige Abwehr zu organisieren.
Wer hat das Sagen im Verein?
Das ist die große Streitfrage, die den Klub noch eine Weile begleiten wird. Der neue Präsident, Gerd Mäuser, muss schnell an Profil gewinnen und dabei auf sportliche Erfolge hoffen. Viele in Stuttgart sind weiter der Meinung, Aufsichtsratschef Dieter Hundt regiere eigentlich den Klub. Er hatte Mäuser als Nachfolger von Erwin Staudt durchgesetzt. Der ehemalige Porsche-Manager Mäuser will die kritischen Fans zurück ins Boot holen. Arbeitgeberpräsident Hundt sollte seinen Kurs als kompromissloser Hardliner aufgeben, sonst droht dem Klub in einem Jahr neuer Ärger bei der nächsten Mitgliederversammlung. Positiv für den VfB: Manager Fredi Bobic hat stark an Profil gewonnen.
Wie steht es um die Finanzen?
Bobic muss den Sparkurs des Vorstandes und Aufsichtsrates umsetzen, der ihm wenig Spielraum lässt. Der VfB ist gesund, muss aber das neue Stadion bezahlen und ohne Einnahmen aus einem internationalen Wettbewerb auskommen. Deshalb wurde der Etat von rund 65 Millionen Euro auf rund 50 Millionen zurückgefahren.
Was erwarten die Fans?
Die Fangemeinde ist in zwei Lager gespalten. Nach der teilweise niveaulosen Mitgliederversammlung stehen sich die Fraktion der Gegner von Aufsichtsratschef Hundt und der moderatere Teil (Hundt-Fans dürfte es wenige geben) misstrauisch gegenüber. Das Selbstverständnis des schwäbischen Fußballfans beinhaltet normalerweise eine internationale Beteiligung des VfB, nach der schwachen Saison sind die Erwartungen vorerst gedämpft – ein Fehlstart könnte für neue Unruhe sorgen. Es ist auch für den Anhang schwer einzuschätzen, was die Mannschaft leisten kann.
Was ist in dieser Saison möglich?
Offiziell wird von einem Jahr der Konsolidierung gesprochen. Manager Fredi Bobic weigert sich, ein konkretes Saisonziel auszugeben. Auch ihm sitzt die vergangene Horror-Saison noch in den Knochen, in der der Abstieg knapp vermieden werden konnte. Ziel ist Konstanz und nicht wieder eine so schwache Vorrunde wie in den vergangenen drei Jahren.
Und sonst?
Hansi Müller kehrt zurück. Diesmal in den Aufsichtsrat. Eine sinnvolle Maßnahme. Müller verfügt über ein großes Netzwerk und besitzt integrative Kraft, die das unruhige Innenleben des VfB befrieden helfen könnte.
TSG Hoffenheim: Die Piekser
Vorbei sind die Zeiten, als Hoffenheim vom internationalen Geschäft träumte. Die kaum verstärkte Mannschaft reduziert die Erwartungen aufs Minimalniveau.
Was hat sich verbessert?
Die Anspruchshaltung. Noch in der Winterpause träumte Hoffenheim vom einem Platz in der Europa League. Was folgte, war die Schmierenkomödie um den Wechsel von Luiz Gustavo zum FC Bayern, wovon Trainer Ralf Rangnick aus der Zeitung erfuhr, was zu seinem Rückzug führte. Ein halbes Jahr später würde niemand auf die Idee kommen, die einstigen Himmelsstürmer mit dem internationalen Geschäft in Verbindung zu bringen.
Hoffenheim wird nicht mehr gemessen an dem Anspruch, wunderschönen und erfolgreichen Fußball zu spielen. Dieser hatte das Team eher gelähmt denn beflügelt.
Wer sind die Stars?
Der Star steht an der Seite, er trägt das Haar raspelkurz und trinkt literweise Kaffee. Die Verpflichtung von Holger Stanislawski als Trainer ist der spektakulärste Transfer, der Hoffenheim seit dem Aufstieg aus der Regionalliga gelungen ist. Carlos Eduardo, Demba Ba oder Luiz Gustavo hat Dietmar Hopp finanziert, Stanislawski aber steht mit seiner St.-Pauli-Vergangenheit für das Gegenteil einer ausschließlich finanzgesteuerten Existenz. Wenn es einem gelingen kann, dem auf Nachwuchsarbeit basierendem Unternehmen Glaubwürdigkeit zu verschaffen, dann ist es Holger Stanislawski.
Wer hat das Sagen im Verein?
Spätestens seit dem Verkauf von Luiz Gustavo hinter dem Rücken von Ralf Rangnick ist klar, dass die 50+1-Regel im Kraichgau nur auf dem Papier existiert. Wenn Dietmar Hopp einem Spieler den Segen zum Wechsel gibt, darf er gehen. Egal, was der Trainer oder sonst wer vorzubringen hat. Ernst Tanner führt zwar den Titel eines Managers, aber in seinem Arbeitsvertrag ist hundertprozentige Loyalität zu Hopp der einzig relevante Paragraph.
Wie steht es um die Finanzen?
Dietmar Hopp hat zuletzt oft das von der Uefa verfügte Financial Fair Play als Begründung für die Reduzierung seiner Investitionen angeführt. Ob das stimmt, oder ob Hopp nach drei Bundesligajahren erkannt hat, dass sich ein Platz in der Champions League nicht einfach kaufen lässt? Das wird offen bleiben, so lange niemand Einsicht nimmt in die Businesspläne. Der Geschäftsmann Dietmar Hopp weiß, dass die von seinem Geld gebaute Rhein-Neckar-Arena leicht zur Investitionsruine werden kann, wenn sie nicht weiter auf Bundesliganiveau bespielt wird.
Was erwarten die Fans?
Das aus Vereinssicht Schöne an den Hoffenheimer Fans ist, dass sie sich am Event an sich erfreuen und Pfiffe weitgehend für die Gegnerschaft reservieren. Auch bei der Frauenfußball-WM war die Rhein-Neckar-Arena immer bestens gefühlt. Hoffenheim hat sich zuletzt ein vom sportlichen Erfolg weitgehend unabhängiges Event-Publikum herangezogen. Doch der nur überschaubar ausgeprägte Identifikationsfaktor mit dem Klub könnte gefährlich werden, wenn die Leute irgendwann mal übersättigt sind vom Produkt Fußball.
Was ist in dieser Saison möglich?
Der Verein hat die vergangene Saison gemäß Selbstauskunft im erweiterten Kreis der Abstiegskämpfer zu Ende gebracht. Da die Mannschaft kaum nennenswert verstärkt worden ist, reduzieren sich die Erwartungen auf ein Minimalniveau. Holger Stanislawski formuliert betont zurückhaltend, er wolle „in den nächsten drei Jahren mal da oben reinpieksen“. In dieser Saison wäre alles andere als ein zweistelliger Tabellenplatz ein Erfolg, auch das Thema Abstiegskampf sollten die Hoffenheimer nicht zu leichtfertig zur Seite schieben.
Und sonst?
In der Bundesliga ist Hoffenheim für die ganz großen Namen nicht interessant. Auf Nachwuchsebene aber ist der Klub dank der perfekten Infrastruktur mit Nachwuchszentrum und angeschlossenem Internat dabei, sich als erste Adresse in Deutschland zu etablieren. Zeugnis der erfolgreichen Nachwuchsarbeit ist ein Kooperationsvertrag mit Inter Mailand, der demnächst unterschrieben werden soll. Hoffenheims jüngste Neuerwerbung ist gerade 14 Jahre alt. Vincent-Louis Stenzel kommt von Borussia Dortmund und gilt als eines der größten deutschen Talente. Eigentlich wollte er ein Ausbildungsjahr in England einlegen, aber das Hoffenheimer Angebot war besser.
1. FC Köln: Podolski wird Messi
Der 1. FC Köln hat seinen Star Lukas Podolski degradiert und tauscht erstmals Folklore gegen eine Strategie. Kann das gutgehen?
Was hat sich verbessert?
Das Catering im Stadion. Sagt jedenfalls Geschäftsführer Claus Horstmann. Und die Ausgangslage: Besser als von Platz 10 aus ist der FC seit gefühlten hundert Jahren nicht mehr gestartet (tatsächlich sind es 14 Jahre). Und die Mannschaft, die in der Rückrunde 29 Punkte holte (eine ebensolche Hinrunde, und es wäre Platz 5 geworden) ist im Kern zusammengeblieben. Michael Rensing, Christian Eichner und Slawomir Peszko kamen bereits in der Winterpause, neu dabei ist, für zwei Millionen Euro Ablöse, Sascha Riether aus Wolfsburg.
Neu ist auch der Trainer: Stale Solbakken, zuvor beim Dänischen Meister FC Kopenhagen. Der Norweger taktiert anders als seine Vorgänger Soldo und Schaefer auf internationalem Niveau und harmoniert bestens mit Sportdirektor Volker Finke (siehe auch: „Wer hat das Sagen im Verein?“). Zusammen stehen sie für den seit Jahren ersten ernsthaften Versuch, den stimmungsabhängigen Folklorefaktor zugunsten einer mittelfristig wirksamen Strategie zurückzudrängen.
Wer sind die Stars?
Podolski, Podolski und Podolski, an das kölsche Dreigestirn kam lange keiner ran. Im dritten Jahr nach seiner Rückkehr aus München muss der sensible Prinz aber um diesen Status erstmals richtig kämpfen. Die Kapitänsbinde, die ihm soviel Spaß gemacht hat, ist er wieder los, die trägt jetzt Geromel, ein eher heimlicher Star. Die Entscheidung gegen Podolski ist plausibel: Er steht nicht im Verdacht, sich zu viele taktische Gedanken zu machen. Dafür spielt Podolski in dieser Saison aber mit gelben Schuhen, so wie Messi, und der ist ja auch nicht Kapitän.
Wer hat das Sagen im Verein?
Als Sportdirektor Volker Finke gegen Ende der vergangenen Saison den kölschen Herzbuben Frank Schaefer von der Trainerbank vergraulte, war die Stimmung im Verein am Nullpunkt. Dann setzte er sich selbst für drei Spiele nach unten und holte neun Punkte, drei davon gegen Leverkusen, drei weitere gegen Schalke. Jetzt kann ihm keiner mehr was. Dass die K-Frage überhaupt gestellt und dann gegen Podolski entschieden wurde, belegt die neue Machtstruktur. Christoph Daums Geraune aus der Ferne, Präsident Overath müsse eingreifen, um Poldi die Binde zu sichern, verhallte folgenlos. Overath ist heute schon froh, wenn ihn niemand mit ollen Kamellen bewirft.
Wie steht es um die Finanzen?
Mühsam ernährt sich der Geißbock. Die zehn Millionen für Lukas Podolski, die vor drei Jahren nach München überwiesen wurden, kamen zwar von Herzen, fehlen aber immer noch. Auch schleppt der Verein einige Sozialfälle aus der spätrömischen Dekadenzepoche unter Michael Julius Meyer mit sich herum; alle Versuche, sie anderen anzudrehen, sind gescheitert. Finke kann nur hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, das Renteneintrittsalter für Fußballprofis zu erhöhen. Acht jüngere Spieler hat Finke verliehen, damit sie anderswo reifen können, alles unter dem Motto: Augenmaß und Weitsicht.
Was erwarten die Fans?
Schon längst nicht mehr zu viel. Obwohl: Dieser Solbakken soll sich ja besten auskennen mit der Champions League… Aber im Ernst (falls es den in Köln überhaupt gibt): Eine Verbesserung der Bilanz aus den Spielen gegen den Tabellendrittletzten der vergangenen Saison wäre auch schon ganz nett. Das schlug doch zuletzt arg aufs Gemüt.
Was ist in dieser Saison möglich?
Offizielles Ziel ist das gesicherte Mittelfeld, der Trainer sagt sogar: einstellig - wenn sich kein wichtiger Spieler verletzt. Na, dann geht’s ja gut los: Bei der Testspielniederlage gegen Arsenal blieb Torwart Michael Rensing liegen – mit Innenbandzerrung und schwerer Knochenprellung. Ob er zum Saisonauftakt fit wird, ist noch nicht klar. Viel hängt auch davon ab, ob die eigentlich starken Innenverteidiger Geromel und Mohamad damit aufhören, immer gleichzeitig „Nimm du ihn“ zu denken, was in der vergangenen Saison öfter mal vorkam. Abergläubig sollte man als FC-Fan in dieser Saison übrigens besser nicht sein. Als der FC das letzte Mal auf Platz 10 abschließen konnte, damals, vor 14 Jahren, hatte die Mannschaft ebenfalls exakt 44 Punkte geholt. Im Jahr darauf ging’s abwärts in die Zweite Liga.
Und sonst?
Michael Rensing hat sich das Wort „Misericordia“ auf den Rücken tätowieren lassen. Zu viel Barmherzigkeit sollte er aber weder erwarten noch walten lassen.
SC Freiburg: Allergisch gegen Stars
Der SC Freiburg setzt auf Nachwuchs und einen nahezu unbekannten Trainer. Von "Fußball-Stars" hält der Verein nicht viel - seine Spieler spielen auch so teilweise überragend.
Was hat sich verbessert?
Der Marktwert einiger Angestellter. Stürmer Papiss Demba Cissé ist nach einer grandiosen Saison 15 Millionen Euro wert, Trainer Robin Dutt machte mit seiner Arbeit Leverkusen auf sich aufmerksam und steht jetzt bei Bayer an der Linie. Die Frage nach seinem Nachfolger beim SC Freiburg wäre momentan bei Günther Jauch wohl 64 000 Euro wert. Marcus Sorg heißt der neue Coach und ist in der Branche bislang reichlich unbekannt.
Aber das war beim Amtsantritt seines Vorgängers Dutt nicht viel anders.
Wer sind die Stars?
Auf das Wort „Star“ reagieren sie in Freiburg allergisch, bestes Beispiel dafür ist die Posse um Mohamadou Idrissou. Als der für die Freiburger im Frühjahr 2010 nach Belieben traf und andere Vereine ihr Interesse anmeldeten, sprach Idrissou davon, bald in der Champions League zu spielen. Trainer Robin Dutt stauchte den Stürmer vor versammelter Mannschaft zusammen, Idrissou wechselte nach Mönchengladbach. Als er mit der Borussia dann in der letzten Saison in Freiburg antrat, höhnten die SC-Fans: „Idrissou spielt Champions League, auf PS3, die ganze Nacht, von zwölf bis acht.“ Freiburg besiegte Gladbach, Spielkonsolenliebhaber Idrissou traf nicht, dafür sein Nachfolger Cissé zwei Mal. Cissé sticht nun aus dem Team heraus, ebenso wie Oliver Baumann, der in seiner ersten Saison als Stammtorwart teilweise überragend hielt.
Wer hat das Sagen im Verein?
Sorgs Vorgänger Volker Finke und Robin Dutt haben gezeigt, dass der Trainer in Freiburg nicht nur vollstes Vertrauen genießt, sondern auch über weitreichende Kompetenzen verfügt. Die Berufung Sorgs bestätigt den Trend, dass Stuttgart ein fruchtbarer Boden für Deutschlands Bundesligatrainer ist. Ende der achtziger Jahre spielte Sorg für die Amateure des VfB Stuttgart, in dieser Zeit war Ralf Rangnick dort erst Amateur-, später A-Jugend-Coach. Damals spielte ein 19-Jähriger bei den Amateuren vor, der das Probetraining allerdings nicht bestand: Jürgen Klopp. Mit Robin Dutt arbeitete Sorg dann bei den Stuttgarter Kickers zusammen. Thomas Tuchel verbrachte bei den Kickers seine aktive Zeit als Spieler, bevor er später in die Jugendarbeit des VfB wechselte. So könnte Sorgs Stuttgarter Vergangenheit also ein gutes Omen für eine erfolgreiche Trainerkarriere sein.
Wie steht es um die Finanzen?
Die Freiburger haben in diesem Sommer den teuersten Transfer ihrer Vereinsgeschichte getätigt: Stürmer Garra Dembele kommt von Lewski Sofia – für zwei Millionen Euro. Das zeigt die Größenordnung, in der sich die Freiburger bewegen. Der Personaletat der Freiburger liegt bei 13,5 Millionen Euro, damit sind sie Liga- Schlusslicht.
Was erwarten die Fans?
Stolz tragen sie derzeit in Freiburg das T-Shirt mit der Aufschrift „LandeSChmeister 2011 – Schön hier oben“ – ein kleiner Hinweis an die nahe gelegenen Klubs aus Hoffenheim und Stuttgart, dass der SC in der Tabelle vor ihnen landete. Der neunte Platz aus der Vorsaison wird schwierig zu wiederholen sein. Das wissen auch die Fans und verfolgen zunächst einmal den Klassenerhalt als Ziel. Doch den Titel in der Bundesliga-internen Baden-Württemberg-Meisterschaft wollen sie verteidigen.
Was ist in dieser Saison möglich?
Erklärtes Ziel ist es, Jugendspieler in der Bundesliga herauszubringen. Sowohl Trainer Sorg als auch Kotrainer Christian Streich kommen aus dem Juniorenbereich und wollen nach Freiburger Sitte den Nachwuchs weiter fördern. Mit Christian Bickel und Simon Brandstetter sind bereits zwei Juniorennationalspieler zu den Profis gestoßen. Dafür verließ mit Ömer Toprak ein Talent Freiburg in Richtung Leverkusen, den Innenverteidiger soll Neueinkauf Beg Ferati aus Basel ersetzen.
Und sonst?
Linksverteidiger Felix Bastians wird eine große Zukunft vorausgesagt. Abseits des Platzes kümmert sich der 23-Jährige um die Zeit nach der Karriere. In der Sommerpause hielt er sich an der englischen Universität Stoke auf, um seinen Bachelor in Sportjournalismus zu Ende zu bringen. Bastians wird also auf alle Reporterfragen gut vorbereitet sein.
Hamburger SV: Abkehr vom Heldenfußball
Der Hamburger SV setzt künftig auf solide Arbeiter statt große Namen. Wer sind die Stars im Verein und wer hat das Sagen?
Was hat sich verbessert?
Der neue Sportchef Frank Arnesen hat verfeindete Lager durch pure Anwesenheit befriedet und den zerstrittenen Aufsichtsrat verstummen lassen. Er ist der Mann, den alle mögen, von dessen Können alle überzeugt sind. Seine integrativen Fähigkeiten strahlen auf den ganzen Verein und die Mannschaft ab. Es ist ruhiger denn je beim HSV. In der Kabine trauen sich nun auch die Jungen zu sprechen, nachdem die Herrschaft der bissigen Alpha-Männchen um Torwart Frank Rost beendet ist.
Wer sind die Stars?
Vor zehn Jahren war Dino „Hermann“ der beliebteste Hamburger. 2004 begann die Ära der großen Namen, van der Vaart, Ailton, Sorin, Zé Roberto und zuletzt Ruud van Nistelrooy lösten das pummelige Maskottchen als Star ab. In dieser Saison könnte sich Hermann seinen Spitzenplatz zurückholen, denn der HSV hat alles mit großem Namen hinten drauf verkauft. Starappeal verströmt dieser Kader der soliden Arbeiter nicht, und sollten Petric und/oder Guerrero abgegeben werden, bliebe Jarolim als bekanntester HSV-Spieler. Gute Chancen also für Hermann. Wenn ihm nicht Dennis Aogo dazwischen kommt – der Nationalspieler positioniert sich gerade als Wortführer.
Wer hat das Sagen im Verein?
Wahrscheinlich hat er auch die Anordnung auf dem Mannschaftsfoto bestimmt und die Farbe der Ausgehanzüge. Seit Ernst Happel hatte keiner den HSV mehr so im Griff wie Frank Arnesen. Der neue Sportchef soll den ganzen Klub umkrempeln und aus dem Traditionsverein wieder einen Meisterschaftskandidaten machen. Dafür bekommt er Prokura von allen Seiten. Trainer Michael Oenning hat sich in seine Rolle als Untergebener gefügt, und sieht mit kurzem Haar und ohne Ziegenbart nun auch eher wie ein Trainer aus, nicht wie ein jung gebliebener Erdkunde-Lehrer. Der neue HSV steht für die Abkehr vom Heldenfußball. Arnesen brachte vom alten Arbeitsplatz beim FC Chelsea vier junge Profis mit und hat noch nicht einmal darüber geklagt, dass dem HSV das Geld früherer Tage fehlt. Bis zum Ende der Transferzeit muss er sich Gedanken machen, wie er Mladen Petric ohne Gehaltserhöhung zum Bleiben über 2012 hinaus bewegen kann, und hoffen, dass es für Paolo Guerrero nach seinen guten Spielen beim Südamerika-Pokal Angebote gibt: mit vier Millionen Euro Jahresgehalt liegt der selten überzeugende Peruaner dem HSV gewaltig auf der Tasche.
Wie steht es um die Finanzen?
Der HSV muss sparen. Nicht mehr 48, sondern nur noch 36 Millionen Euro gibt der HSV für seine Spieler aus und liegt damit deutlich hinter der Liga-Spitze. Der neue Vorstandschef Claas Jarchow hat mit spitzem Bleistift nachgerechnet und die riskante Ausgabenpolitik seines Vorgängers Bernd Hoffmann für beendet erklärt. 2017 ist das Stadion abbezahlt – so lange muss der HSV jährlich mehr als 17 Millionen Euro an Zins und Tilgung für die Arena aufbringen. Geld, das Jarchow jetzt gern hätte.
Was erwarten die Fans?
Zuletzt sagte Rothenbaum-Turnierdirektor Michael Stich, dass er wegen der schwachen letzten Spielzeiten auf seine Dauerkarte verzichten wolle. Er tat es dann aber doch nicht. So geht es vielen Fans: sie sind unzufrieden, überlegen – und decken sich dann doch ein. Mehr als 30 000 Saisontickets wird der HSV wieder verkaufen. Der Umbruch auf allen Ebenen macht eben auch neugierig. Von den organisierten Anhängern hört man, sie wollten sich mit der jungen Mannschaft gedulden. Zum ersten Mal seit Jahren sind die Erwartungen gedämpft.
Was ist möglich?
Neun Profis sind weg, von Rost über Zé bis van Nistelrooy und Pitroipa. Auch die ewigen Talente wie Trochowski (zum FC Sevilla), Torun (Hertha BSC) und Choupo-Moting (Mainz) hat Arnesen verkauft. Guy Demel darf nur noch bei den Amateuren trainieren. Der Umbruch ist krass: die neue Mannschaft ist jung, unbekannt, komplett umgestellt und soll auch einen anderen Fußball spielen – weniger Ballbesitz, schneller zum Tor. Ein Platz zwischen acht und zwölf wäre ein Erfolg.
Und sonst?
Die inzwischen abgefundenen Vorstände Hoffmann und Kraus hatten viele gute Ideen. Eine gehört nicht dazu: der HSV-Friedhof. Hier will keiner liegen. In den 34 Monaten, seit der Friedhof nahe der Arena mit seinen 300 bis 500 Grabflächen besteht, gab es erst eine Beerdigung: Der ehemalige Aufsichtsrat Eberstein ließ seine Frau beisetzen. HSV-Amateurvorstand Scheel hat eine Erklärung für die Leere auf dem Platz der Ruhe: „Gott sei dank sterben unsere Mitglieder und Anhänger nicht so schnell.“ So möge es bleiben.
Hamburger SV: Abkehr vom Heldenfußball
Der Hamburger SV setzt künftig auf solide Arbeiter statt große Namen. Wer sind die Stars im Verein und wer hat das Sagen?
Was hat sich verbessert?
Der neue Sportchef Frank Arnesen hat verfeindete Lager durch pure Anwesenheit befriedet und den zerstrittenen Aufsichtsrat verstummen lassen. Er ist der Mann, den alle mögen, von dessen Können alle überzeugt sind. Seine integrativen Fähigkeiten strahlen auf den ganzen Verein und die Mannschaft ab. Es ist ruhiger denn je beim HSV. In der Kabine trauen sich nun auch die Jungen zu sprechen, nachdem die Herrschaft der bissigen Alpha-Männchen um Torwart Frank Rost beendet ist.
Wer sind die Stars?
Vor zehn Jahren war Dino „Hermann“ der beliebteste Hamburger. 2004 begann die Ära der großen Namen, van der Vaart, Ailton, Sorin, Zé Roberto und zuletzt Ruud van Nistelrooy lösten das pummelige Maskottchen als Star ab. In dieser Saison könnte sich Hermann seinen Spitzenplatz zurückholen, denn der HSV hat alles mit großem Namen hinten drauf verkauft. Starappeal verströmt dieser Kader der soliden Arbeiter nicht, und sollten Petric und/oder Guerrero abgegeben werden, bliebe Jarolim als bekanntester HSV-Spieler. Gute Chancen also für Hermann. Wenn ihm nicht Dennis Aogo dazwischen kommt – der Nationalspieler positioniert sich gerade als Wortführer.
Wer hat das Sagen im Verein?
Wahrscheinlich hat er auch die Anordnung auf dem Mannschaftsfoto bestimmt und die Farbe der Ausgehanzüge. Seit Ernst Happel hatte keiner den HSV mehr so im Griff wie Frank Arnesen. Der neue Sportchef soll den ganzen Klub umkrempeln und aus dem Traditionsverein wieder einen Meisterschaftskandidaten machen. Dafür bekommt er Prokura von allen Seiten. Trainer Michael Oenning hat sich in seine Rolle als Untergebener gefügt, und sieht mit kurzem Haar und ohne Ziegenbart nun auch eher wie ein Trainer aus, nicht wie ein jung gebliebener Erdkunde-Lehrer. Der neue HSV steht für die Abkehr vom Heldenfußball. Arnesen brachte vom alten Arbeitsplatz beim FC Chelsea vier junge Profis mit und hat noch nicht einmal darüber geklagt, dass dem HSV das Geld früherer Tage fehlt. Bis zum Ende der Transferzeit muss er sich Gedanken machen, wie er Mladen Petric ohne Gehaltserhöhung zum Bleiben über 2012 hinaus bewegen kann, und hoffen, dass es für Paolo Guerrero nach seinen guten Spielen beim Südamerika-Pokal Angebote gibt: mit vier Millionen Euro Jahresgehalt liegt der selten überzeugende Peruaner dem HSV gewaltig auf der Tasche.
Wie steht es um die Finanzen?
Der HSV muss sparen. Nicht mehr 48, sondern nur noch 36 Millionen Euro gibt der HSV für seine Spieler aus und liegt damit deutlich hinter der Liga-Spitze. Der neue Vorstandschef Claas Jarchow hat mit spitzem Bleistift nachgerechnet und die riskante Ausgabenpolitik seines Vorgängers Bernd Hoffmann für beendet erklärt. 2017 ist das Stadion abbezahlt – so lange muss der HSV jährlich mehr als 17 Millionen Euro an Zins und Tilgung für die Arena aufbringen. Geld, das Jarchow jetzt gern hätte.
Was erwarten die Fans?
Zuletzt sagte Rothenbaum-Turnierdirektor Michael Stich, dass er wegen der schwachen letzten Spielzeiten auf seine Dauerkarte verzichten wolle. Er tat es dann aber doch nicht. So geht es vielen Fans: sie sind unzufrieden, überlegen – und decken sich dann doch ein. Mehr als 30 000 Saisontickets wird der HSV wieder verkaufen. Der Umbruch auf allen Ebenen macht eben auch neugierig. Von den organisierten Anhängern hört man, sie wollten sich mit der jungen Mannschaft gedulden. Zum ersten Mal seit Jahren sind die Erwartungen gedämpft.
Was ist möglich?
Neun Profis sind weg, von Rost über Zé bis van Nistelrooy und Pitroipa. Auch die ewigen Talente wie Trochowski (zum FC Sevilla), Torun (Hertha BSC) und Choupo-Moting (Mainz) hat Arnesen verkauft. Guy Demel darf nur noch bei den Amateuren trainieren. Der Umbruch ist krass: die neue Mannschaft ist jung, unbekannt, komplett umgestellt und soll auch einen anderen Fußball spielen – weniger Ballbesitz, schneller zum Tor. Ein Platz zwischen acht und zwölf wäre ein Erfolg.
Und sonst?
Die inzwischen abgefundenen Vorstände Hoffmann und Kraus hatten viele gute Ideen. Eine gehört nicht dazu: der HSV-Friedhof. Hier will keiner liegen. In den 34 Monaten, seit der Friedhof nahe der Arena mit seinen 300 bis 500 Grabflächen besteht, gab es erst eine Beerdigung: Der ehemalige Aufsichtsrat Eberstein ließ seine Frau beisetzen. HSV-Amateurvorstand Scheel hat eine Erklärung für die Leere auf dem Platz der Ruhe: „Gott sei dank sterben unsere Mitglieder und Anhänger nicht so schnell.“ So möge es bleiben.
1. FC Kaiserslautern: Am besten ohne Zittern
Dem 1. FC Kaiserslautern ist der komplette Sturm abhanden gekommen. Daher geht es in der kommenden Saison nur um den Klassenerhalt.
Was hat sich verbessert?
Die Stadionmiete. Im kommenden Jahr muss der 1. FC Kaiserslautern wieder den vollen Betrag von 3,2 Millionen Euro bezahlen. Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil aussieht, ist eine positive Nachricht: Die Finanzen sind wieder in Ordnung, der Klub muss keine Stundungen mehr in Anspruch nehmen.
Wer sind die Stars?
Gute Frage. Srdjan Lakic, der Star der vergangenen Saison, ist weg, aber wer sich daran erinnert, wie ihn die Fans nach seiner Wechselentscheidung behandelt haben, der will gar nicht zum Star werden in Kaiserslautern.
Der Israeli Itay Shechter von Hapoel Tel Aviv hat zumindest das Potenzial dazu, Christian Tiffert als neuer Kapitän auch.
Wer hat das Sagen im Verein?
Der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz, und das ist auch richtig so, er steht für die Gesundung des Klubs.
Wie steht es um die Finanzen?
Besser. Lauterns Personaletat beträgt 15 Millionen Euro, rund 1,5 Millionen mehr als zuletzt. Nun muss Lautern nicht mehr nur ausleihen, sondern kann kaufen: Zum Beispiel für 3,5 Millionen Euro die Israelis Itay Shechter und Gil Vermouth.
Was erwarten die Fans?
Das, was man auf dem Betzenberg immer erwartet: Kampf bis zur letzten Minute.
Was ist in dieser Saison möglich?
Niemand erwartet nach den Abgängen von Erwin Hoffer, Jan Moravek und Lakic Platz sieben wie zuletzt. Deshalb ist der Meister von 1998 noch weit davon entfernt, in der Bundesliga etabliert zu sein. Stattdessen geht es nur um den Klassenerhalt. Am besten ohne zittern zu müssen.
Und sonst?
Produziert Lautern seltsame Schlagzeilen: Erst zieht sich Adam Nemec einen Schlüsselbein- und Wirbelbruch zu – weil er vom Kirschbaum fällt. Dann rammt Tobias Sippel alkoholisiert ein Fahrzeug, begeht Unfallflucht und wird von der Polizei mit seinen Mitspielern Ivo Ilicevic und Thanos Petsos aus dem Eros-Center „Why not“ geholt. Der Klub fragte „why“ und verhängte Geldstrafen für alle drei.
1. FC Nürnberg: Der Fluch des Al Bundy
Der 1. FC Nürnberg hat nach einer erfolgreichen Saison die wichtigsten Stammspieler verloren und steht nun vor einer schwierigen Saison
Was hat sich verbessert Was hat sich verbessert?
Die Jugend von heute. Neben dem Hype um die „Bruchweg-Boys“ aus Mainz und den „Borussen-Bubis“ aus Dortmund ging der Nürnberger Jugendstil etwas unter. Mit Talenten wie Almog Cohen, Timothy Chandler und Philipp Wollscheid erreichte der FCN überraschend den sechsten Tabellenplatz – fast unbeachtet, was auch Trainer Dieter Hecking etwas verstimmte. Große Wertschätzung erfahren die Nürnberger auch vor dieser Saison nicht, sind sie bei den Wettanbietern doch als Kandidat für den Abstieg gehandelt.
Dabei stehen in Alexander Esswein (21 Jahre) und Tomas Pekhart (22) zwei neue, hoch veranlagte Spieler auf der Matte.
Wer sind die Stars?
Mit Andreas Wolf ist der Liebling der Fans und jener Journalisten mit Hang zu niveaulosen Wortspielen gegangen. Wolf verließ Nürnbergs Schäfer und ging zu Schaaf nach Bremen. So ist Schäfer, mit Vornamen Raphael und von Beruf Torhüter, die herausragende Figur des Teams, das ihn zum Kapitän wählte. Schäfer spielt seit 2001 – mit einjähriger Unterbrechung durch ein unglückliches Intermezzo beim VfB Stuttgart – für Nürnberg, doch in diesem Jahr scheint dem 32-Jährigen alles zu gelingen: Erst eine tolle Rückrunde, dann die Vertragsunterschrift bis 2014, und schließlich lief er in einem Testspiel als Feldspieler auf – und erzielte drei Tore.
Wer hat das Sagen im Verein?
Die Zeiten patriarchalischer Präsidentschaft sind vorbei, die Verantwortung wird von vielen geschultert. Im sportlichen Bereich sind das Sportdirektor Martin Bader und Trainer Dieter Hecking. Hecking, im malerischen Castrop-Rauxel geboren, ist seit 2009 im Verein, sein Vertrag wurde bis 2014 verlängert. Es ist nicht allzu lange her, da galt eine solch lange Amtszeit beim FCN als so wahrscheinlich wie eine Silberhochzeit von Lothar Matthäus.
Wie steht es um die Finanzen?
Gemäß den Vereinsfarben werden die Zahlen beim FCN mal in rot, mal in schwarz geschrieben. Finanzchef Ralf Woy verkündete in der letztjährigen Hinserie noch einen Schuldenstand in Höhe von zehn Millionen Euro und einen Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr von gut fünf Millionen. Durch den sportlichen Erfolg, Einnahmen aus dem Pokal und Spielertransfers konnte der Schuldenstand mehr als halbiert werden. Vor der Zahl „fünf Millionen“ im Geschäftsbericht steht nun statt eines Minus ein Plus.
Was erwarten die Fans?
Die Geschichte hat die Anhänger des FCN auf brutale Weise zu Pessimismus erzogen. Die Redewendung „Der Club is a Depp“ ist allgegenwärtig, schließlich stieg Nürnberg als einziger Verein nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1968 postwendend ab. Das warnende Beispiel der „68er“ half nach dem Gewinn des DFB-Pokals unter Trainer Hans Meyer 2007 nicht, auch nach diesem Erfolg ging es in der Folgesaison runter in Liga zwei. Nürnbergs Fans sprechen in diesem Zusammenhang vom „Bundy-Fluch“ in Anlehnung an die Hauptfigur Al Bundy aus der Fernsehserie „Eine schrecklich nette Familie“. Bundy war jegliche glückliche Fügung nur kurze Zeit vergönnt, bevor sich alles zum Schlechten wendete.
Was ist in dieser Saison möglich?
Der Klassenerhalt ist das Ziel. Nach Platz sechs im Vorjahr mögen das manche als Tiefstapelei auslegen, doch der Club hat schwerwiegende Abgänge zu verzeichnen. Neben Wolf gingen Mehmet Ekici (nach Bremen), Ilkay Gündogan (nach Dortmund) und Julian Schieber (nach Stuttgart).
Und sonst?
In den vergangenen zwei Jahren mussten die Relegationsspiele her, um den Klassenerhalt zu sichern. In vier Spielen gab es dabei vier Siege und 8:0-Tore. Die Relegations-Könige haben den Nervenkitzel jedoch nicht vermisst, der etwas zeitigere Urlaub tat gut.
FSV Mainz 05: Das englische Gefühl
Der FSV Mainz 05 hat ein neues Stadion gebaut. Nun möchte der Verein ein Dauerüberraschungsklub werden.
Was hat sich verbessert?
Die eigenen vier Wände. Höher und steiler jetzt, denn die Mainzer sind in ein neues Stadion umgezogen. 34 043 Plätze hat die neue Spielstätte. Sie soll ein englisches Gefühl bieten. Der Name des Stadions hat sich allerdings kaum verbessert. Bruchwegstadion klang ja schon nach Trümmerhaufen. Jetzt heißt das Stadion Coface-Arena, weshalb man nicht weiß, ob man es deutsch oder englisch aussprechen soll.
Der Verein hat deshalb noch schnell „Mainzuhause“ wortgespielt.
Wer sind die Stars?
Wahrscheinlich das Stadion. Jedenfalls sind viele Führungsrollen in Mainz zu besetzen. Die in der vergangenen Saison zum Chartbreaker gewordene Mainzer Boygroup von der Eckfahne hat sich aufgelöst, André Schürrle spielt jetzt in Leverkusen, Lewis Holtby auf Schalke. Das ist so, als wenn John Lennon und Paul McCartney zu den Stones und zu Police gewechselt wären.
Wer hat das Sagen im Verein?
Kapuzenpulli-Trainer Thomas Tuchel. Die Macht, die er hat, verpackt er allerdings in kommunikative Kompetenz. Also so lange mit den Spielern reden, bis sie es verstehen, warum sie auf der Bank sitzen. Hat bisher bestens geklappt. Das Wort der letzten Saison, „Matchplan“, stammt jedoch nicht von ihm. Tuchel hat die Urheberschaft Urs Siegenthaler zugeschrieben. „Ich selbst habe den Begriff genau einmal bei meiner ersten Pressekonferenz verwendet.“
Wie steht es um die Finanzen?
So gut wie noch nie. Allein für Schürrle haben die Mainzer zehn Millionen Euro bekommen. Der Personaletat ist von 22 auf 28 Millionen gestiegen. Neues Stadion heißt auch neue Einnahmemöglichkeiten. Aber Mainz wird trotzdem erst mal Mainz bleiben. Ein Verein, der Spieler günstig verpflichtet und sie für einen höheren Preis wieder abgibt.
Was erwarten die Fans?
Zuerst Stimmung. Dann guten Fußball. Und eigentlich mehr Erfolg als früher. Schon ein 0:1 gegen Hannover wollten sie sich in der vergangenen Saison nicht mehr bieten lassen. Ins Stadion passen jetzt 14 000 mehr. Wenn das alles schnöselige Eventfans werden, kann sich Mainz auf seine Zuschauer nichts mehr einbilden.
Was ist in dieser Saison möglich?
Aus einem Überraschungsklub einen Dauerüberraschungsklub zu machen. Mit dem Erfolg der Vorsaison war nicht zu rechnen. Mit einer guten Platzierung jetzt noch weniger, gerade nach den vielen Abgängen, zu denen auch Christian Fuchs gehört, der ebenfalls nach Schalke gewechselt ist, und nach dem schwachen Auftakt in die Europa League. Der Klub hat Spieler wie Eric Maxim Chupo-Moting oder Elkin Soto verpflichtet. Fußballwissenschaftlich eine spannende Saison, denn Tuchel kann zeigen, dass sein Konzept auf andere Spieler übertragbar ist und sich dadurch wiederholen lässt.
Und sonst?
Hat Mainz 05 den Segen. Für die Eröffnung des Stadions unterbrach Kardinal Lehmann extra seine Reha und sprach ein ghanaisches Fußballgebet: „Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen.“
Wie steht es um die Finanzen?
So gut wie noch nie. Allein für Schürrle haben die Mainzer zehn Millionen Euro bekommen. Der Personaletat ist von 22 auf 28 Millionen gestiegen. Neues Stadion heißt auch neue Einnahmemöglichkeiten. Aber Mainz wird trotzdem erst mal Mainz bleiben. Ein Verein, der Spieler günstig verpflichtet und sie für einen höheren Preis wieder abgibt.
Was erwarten die Fans?
Zuerst Stimmung. Dann guten Fußball. Und eigentlich mehr Erfolg als früher. Schon ein 0:1 gegen Hannover wollten sie sich in der vergangenen Saison nicht mehr bieten lassen. Ins Stadion passen jetzt 14 000 mehr. Wenn das alles schnöselige Eventfans werden, kann sich Mainz auf seine Zuschauer nichts mehr einbilden.
Was ist in dieser Saison möglich?
Aus einem Überraschungsklub einen Dauerüberraschungsklub zu machen. Mit dem Erfolg der Vorsaison war nicht zu rechnen. Mit einer guten Platzierung jetzt noch weniger, gerade nach den vielen Abgängen, zu denen auch Christian Fuchs gehört, der ebenfalls nach Schalke gewechselt ist, und nach dem schwachen Auftakt in die Europa League. Der Klub hat Spieler wie Eric Maxim Chupo-Moting oder Elkin Soto verpflichtet. Fußballwissenschaftlich eine spannende Saison, denn Tuchel kann zeigen, dass sein Konzept auf andere Spieler übertragbar ist und sich dadurch wiederholen lässt.
Und sonst?
Hat Mainz 05 den Segen. Für die Eröffnung des Stadions unterbrach Kardinal Lehmann extra seine Reha und sprach ein ghanaisches Fußballgebet: „Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen.“
Wie steht es um die Finanzen?
So gut wie noch nie. Allein für Schürrle haben die Mainzer zehn Millionen Euro bekommen. Der Personaletat ist von 22 auf 28 Millionen gestiegen. Neues Stadion heißt auch neue Einnahmemöglichkeiten. Aber Mainz wird trotzdem erst mal Mainz bleiben. Ein Verein, der Spieler günstig verpflichtet und sie für einen höheren Preis wieder abgibt.
Was erwarten die Fans?
Zuerst Stimmung. Dann guten Fußball. Und eigentlich mehr Erfolg als früher. Schon ein 0:1 gegen Hannover wollten sie sich in der vergangenen Saison nicht mehr bieten lassen. Ins Stadion passen jetzt 14 000 mehr. Wenn das alles schnöselige Eventfans werden, kann sich Mainz auf seine Zuschauer nichts mehr einbilden.
Was ist in dieser Saison möglich?
Aus einem Überraschungsklub einen Dauerüberraschungsklub zu machen. Mit dem Erfolg der Vorsaison war nicht zu rechnen. Mit einer guten Platzierung jetzt noch weniger, gerade nach den vielen Abgängen, zu denen auch Christian Fuchs gehört, der ebenfalls nach Schalke gewechselt ist, und nach dem schwachen Auftakt in die Europa League. Der Klub hat Spieler wie Eric Maxim Chupo-Moting oder Elkin Soto verpflichtet. Fußballwissenschaftlich eine spannende Saison, denn Tuchel kann zeigen, dass sein Konzept auf andere Spieler übertragbar ist und sich dadurch wiederholen lässt.
Und sonst?
Hat Mainz 05 den Segen. Für die Eröffnung des Stadions unterbrach Kardinal Lehmann extra seine Reha und sprach ein ghanaisches Fußballgebet: „Lass unser ganzes Leben ein faires Spiel sein, eine Augenweide für dich und die Mitmenschen.“
Hannover 96: Überfallfußball sucht Alternative
Hannover 96 übertraf in der letzten Saison die Erwartungen. Nun zeigen sich die Niedersachsen gerüstet für die schwierige Saison danach.
Was hat sich verbessert?
In der Vorbereitung perfektionierte Trainer Mirko Slomka mit seiner eingespielten Elf (abzüglich des verletzten Torjägers Didier Ya Konan) das überfallartige Konterspiel der vergangenen Saison und arbeitete zusätzlich auch an alternativen Spielideen. Nun sind die Roten schwerer auszumachen als der/die kommende Bürgermeister/in in Berlin. Auch gut: Manager Jörg Schmadtke konnte namhafte Abgänge verhindern (Ausnahme: Florian Fromlowitz) und erweiterte den Kader nur um einige vielversprechende Ergänzungsspieler (zum Beispiel um Artur Sobiech, Stürmer von Polonia Warschau).
Wer sind die Stars?
Der letzte Spieler mit Starallüren ist in Hannover wohl Thomas Brdaric gewesen. Aktuell gibt es nicht diesen einen Spieler. Es gibt nur diese eine Mannschaft. So entschied sich Linksverteidiger Christian Schulz im Frühjahr gegen die Millionen aus Wolfsburg und für die familiäre Stimmung in Hannover. Auch den zuletzt umworbenen Spielern wie Torwart Ron-Robert Zieler, Mittelfeld-Sechser Manuel Schmiedebach oder Stürmer Ya Konan wird es bei diesem außergewöhnlichen Zusammenhalt nicht schwerfallen, auf die Millionen noch ein wenig zu warten.
Wer hat das Sagen im Verein?
Vor einem Jahr erweckte es den Anschein, als würden sich der Trainer und der Manager genau wegen dieser Frage in den Haaren liegen. Doch übergeordnet beansprucht Präsident Martin Kind ohne Wenn und Aber das letzte Wort. Das begriffen auch die beiden Streithähne und besprechen Meinungsverschiedenheiten seither unter vier Augen. Denn am Ende hätte sich der Präsident für einen der beiden entschieden. So macht er das schon seit Jahren.
Wie steht es um die Finanzen?
Allein ein Budget reichte letzte Saison nicht aus. Bereits im März war der geplante Prämienetat ausgeschöpft und musste aufgestockt werden. Doch generell wird seit dem Amtsantritt von Martin Kind seriös gewirtschaftet. Der Verein gibt nur so viel Geld aus, wie zur Verfügung steht bzw. der Präsident bereit ist dazuzugeben. In die neue Saison gehen die Niedersachsen mit einem Etat von 27 Millionen Euro und liegen damit im Ligavergleich im unteren Drittel.
Was erwarten die Fans?
Der heimische Anhang wurde in der vergangenen Spielzeit mit zwölf Heimsiegen verwöhnt. Am Ende sangen die Fans nur noch: „Erste Runde Bukarest, zweite Runde Rom!“ Denn nach 20 Jahren kann Zeugwart Mille Gorgas endlich auch wieder mitten in der Woche die Schraubstollen polieren und die Stadiontore öffnen. Und dann kommen nicht wie sonst die Grönemeyer-Fans zum Stadionrock. Nein. Dann kommen die Fußballfans und die Ü-Wagen, und dann kommen vielleicht tatsächlich Bukarest oder Rom.
Was ist in dieser Saison möglich?
Um ein weiteres Mal auf dem vierten Platz zu landen, müssten die anderen Mannschaften schon mitspielen. Beziehungsweise nicht mitspielen. Unter normalen Umständen ist ein solcher Lauf nicht zu wiederholen. Vereine wie Schalke 04 und der Hamburger SV, aber auch Kandidaten wie Werder Bremen, der VfL Wolfsburg und der VfB Stuttgart müssten Hannover 96 eigentlich wieder zurückdrängen ins Mittelfeld der Tabelle. Vielleicht gelingt zumindest mit den Nordrivalen eine dauerhafte Wachablösung. Wenn die Mannschaft an der Dreifachbelastung aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Europa League nicht zerbricht, sondern wächst, dann ist auch in dieser Spielzeit ein Platz unter den ersten acht Mannschaften möglich. Ansonsten fallen sie zurück ins Niemandsland der Tabelle.
Und sonst?
Hannover 96 geht wieder mit einer echten Nummer eins in die Saison. Und Ron-Robert Zieler ist nicht nur ein Torwart mit Potenzial für die Nationalmannschaft, er darf auch wieder die traditionelle Rückennummer des Tormanns tragen. Nach dem Tod von Robert Enke sollte die „1“ eigentlich nie wieder vergeben werden, doch Mirko Slomka holt die Ziffer nun zurück auf den Spielberichtsbogen.
FC Bayern: Reicher als die Deutsche Bank
Der FC Bayern hat bald noch mehr Geld – doch Uli Hoeneß findet nachts trotzdem keinen Schlaf. Was ist in dieser Saison möglich?
Was hat sich verbessert?
Die Stimmung. Jupp Heynckes ist ein erfahrener Meteorologe: Er weiß besser als jeder andere Trainer auf der Welt, wie man das Binnenklima gerade dieses Vereins steuern kann und muss. Zusätzlicher Startvorteil: Mieser als unter Louis van Gaal konnte die Stimmung nicht mehr werden. Auf dem Platz dürfte sich die Defensive verbessert haben, dank dreier Zugänge für die fünfköpfige Stammbelegschaft hinten drin: Torwart Manuel Neuer, Innenverteidiger Jérome Boateng und Rechtsverteidiger Rafinha.
Auch hier ein klarer Startvorteil: Chaotischer als in der vergangenen Saison kann es hinten nicht mehr werden.
Wer sind die Stars?
Der Star ist die Mannschaft. Denn ein FC-Bayern-Kader besteht qua Vereinssatzung nur aus fußballerischen Diamanten, von denen allenfalls einzelne noch ein wenig Feinschliff brauchen. Nur die größten Juwelen, Arjen Robben und Franck Ribéry, machen mal wieder Sorgen mit ihren Wehwehchen. Aber darüber tröstet hinweg, dass der beste Torhüter seit Entstehen menschlichen Lebens nun endlich auch für Bayern spielt.
Wer hat das Sagen im Verein?
Wie immer jeder, wenn er es für richtig hält. Da es im Klub verhältnismäßig ruhig zugeht, wenden sich die hohen Herren der Politik zu. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge versucht gerade, einen Putsch gegen Fifa-Boss Sepp Blatter anzuzetteln. Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger bekam sein Fett weg. An ihm hatte sich vorher schon Präsident Uli Hoeneß abgearbeitet. Und Sportdirektor Christian Nerlinger? Er versucht weiter, sich von Hoeneß’ zu emanzipieren. Intern ist ihm das ganz gut gelungen – schneller, als Hoeneß sich das gewünscht hatte. Aber Nerlingers Außendarstellung ist noch nicht „bayern-like“ (Hoeneß’ neues Lieblingswort). Der Präsident hat deshalb angekündigt, in dieser Saison werde Bayern die Konkurrenz wieder verstärkt mit verbalen Attacken traktieren. Irgendwie rührend, dieses traditionelle Weltbild.
Wie steht es um die Finanzen?
Großartig, natürlich. Wie könnte es auch anders sein? Und es wird noch besser, diese Zeiten kommen ganz bald. In sechs, sieben Jahren hat der FC Bayern das Stadion abbezahlt und hätte dann genug Geld, um die Deutsche Bank zu kaufen. Aber Hoeneß ist bescheiden. Er sagt: „Dann können wir alles Geld in die Mannschaft investieren.“ Die insgesamt 44 Millionen Euro Ablöseausgaben in diesem Sommer bedeuten für Hoeneß „ein eher normales Jahr“. Noch wichtiger ist, dass den Bayern bald niemand mehr den Sieg in der Champions League nehmen kann. Den finanziellen Zusammenbruch aller großen Gegner prognostizieren die Bayernchefs ja schon seit Jahren. Aber jetzt greift bald das sagenumwobene „Financial Fairplay“ der Uefa. Das werde, sagen die Bayernchefs, dann jetzt aber wirklich endgültig und unweigerlich dazu führen, dass einige Klubs keine Zulassung mehr zur Champions League bekommen. Und wenn es dann im Finale gegen Rosenborg Trondheim geht, ist das eine lösbare Aufgabe.
Was erwarten die Fans?
Autogramme. Vergangene Woche – noch vor Ferienbeginn in Bayern – waren es plötzlich 4000 (!) Menschen, die einer ganz normalen Trainingseinheit zuschauten. Um etwas zu sehen, kletterten ein paar sogar auf ein Containerdach. Als Jupp Heynckes dem Üben ein Ende machen wollte, ging es erst richtig los. Die Fans enterten den Platz und jagten Unterschriften. Im Tumult erlitten drei Jugendliche einen Kreislaufkollaps, nun bleibt das Training bis 7. August nicht-öffentlich. Dann ist der renovierte Hauptplatz wieder bespielbar.
Was ist in dieser Saison möglich?
Zunächst einmal nur eines: dass der FC Bayern nicht in der Champions League spielt. Mitte August steht die Qualifikation an. Der Gegner wird den Bayern am Freitag zugelost. Niemand glaubt ernsthaft, dass etwas schief gehen könnte. Trotzdem hat Uli Hoeneß schlaflose Nächte: „Wenn wir uns nicht für die Champions League qualifizieren, dann werden wir auch keinen Gewinn machen.“ Noch schlimmer wäre natürlich, dass die Bayern dann schon keine Chance mehr hätten, sich für das Finale im eigenen Stadion zu qualifizieren. Da hülfen auch Meisterschaft und Pokalsieg nicht mehr. Dass die beiden Titel diesmal wieder nach München gehen, gilt hierzulande ohnehin als ausgemachte Sache, beim 3:0 in der ersten Pokalrunde bei Eintracht Braunschweig gewannen die Münchner souverän und geduldig.
Und sonst?
Sind sie alle gespannt, was aus Takashi Usami wird. Der erste Japaner bei Bayern, 19 Jahre alt, kam für 300 000 Euro Leihgebühr von Gamba Osaka. Hat Bayern jetzt auch seinen Kagawa? Oder doch eher einen Takahara? Im Testspiel gegen den FC Barcelona verzückte er mit zwei, drei feinen Aktionen die Fans. Jupp Heynckes’ Lob dafür klang so: „Er kann ein guter Fußballer werden, wenn er sich körperlich stabilisiert.“
Bayer Leverkusen ist Vize-was?
Bayer Leverkusen will sich endlich vom Ruf des Titelverlierers verabschieden. Dabei macht die Abwehr einen ebenso verwaisten Eindruck wie das Trikot.
Was hat sich verbessert? Wenn sich die Defensive verschlechert hat, dann ist hier wohl die Offensive zu nennen. Vor allem Neuzugang André Schürrle aus Mainz bereichert das Spiel. Ansonsten ordert Bayer derzeit viele Kopfschmerztabletten: Mit Arturo Vidal (Juventus Turin) und Sami Hyypiä (Karriereende) verabschiedeten sich zwei tragende Säulen, und, ach ja, mit Jupp Heynckes (Bayern München) ging auch noch ein sehr guter Trainer. Für Heynckes kam aus Freiburg Robin Dutt, ein schwäbelnder Inder, der noch beweisen muss, das ihn auch Teams außerhalb Baden-Württembergs verstehen.
Für Vidal will Leverkusen zunächst keinen Ersatz suchen, da mit Rolfes, Bender, Balitsch und Ballack genügend Profis für das defensive Mittelfeld bereit stehen. Dass die nicht alles abräumen können, zeigte die 3:4-Pleite im Pokal bei Dynamo Dresden. Dort bildete der 22-jährige Ömer Toprak, den Dutt aus Freiburg als Hyypiä-Ersatz mitbrachte, zusammen mit dem gleichaltrigen Stefan Reinartz einen schmelzanfälligen Kinderriegel in Innenverteidigung.
Wer sind die Stars? Michael Ballack war mal einer. Im September wird er allerdings 35. Und mit schwäbelnden Trainern scheint er einfach kein Glück zu haben. Auch bei Dutt bekommt der ehrgeizige Altstar keinen garantierten Stammplatz. Starpotenzial ohne Störpotenzial hat dagegen Jung-Nationalspieler Schürrle. Und auch Stürmer Eren Derdiyok agierte bisher dynamisch und torgefährlich. Von Ballack kann man das nicht mehr immer sagen.
Wer hat das Sagen im Verein? Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ist der Chef, seine Untergeben sind die Finanzen. Rudi Völler kommandiert die sportlichen Angestellten, aber auch hier hat Holzhäuser mittlerweile das vorletzte Wort. Das letzte hat im Zweifel der Mutterkonzern.
Wie steht es um die Finanzen? Blank. Noch tragen die Profis Hemden mit dem Schriftzug „Werkself“. Nach dem Absprung des inzwischen insolventen Trikotsponsors fahndet der Klub nach einem neuen Geldgeber. Laut Völler will der Klub einen seriösen Nachfolger und dafür auch länger suchen, Angeboten griechischer Rentenkassen wurde daher nicht nachgegangen. Da ein gewissener Konzern den Verein mit etwa 25 Millionen pro Jahr unterstützt, besteht auch erstmal keine Eile. Zumal Juventus Turin den früheren Vidal-Verein ja zuletzt mit etwa acht Millionen Euro sponserte.
Was erwarten die Fans? Ach, die sind bescheiden. Sie freuen sich, dass Leverkusen nach siebenjähriger Pause wieder in der Champions League antreten darf. Ansonsten hoffen sie, dass möglichst keiner das böse V-Wort benutzt.
Was ist in dieser Saison möglich? Dutt will dem Verein die Vizekusen-Mentalität austreiben – verdammt, da war das V-Wort. Deshalb spricht der neue Trainer seit Wochen davon, dass die Meisterschaft möglich sei. Doch mit geschmolzener Schokolade in der Abwehr und einem beleidigten Ballack davor oder daneben (auf der Bank) wird’s schwer. Und Torhüter René Adler wird wegen einer Knieoperation wohl erst Anfang Oktober fit sein wird. Ersatzmann David Yelldell hofft, am Sonntag im Mainz besser auszusehen als beim Pokaldesaster in Dresden.
Und sonst? Will man Witze folgender Art nicht mehr hören: Bayer Leverkusen hat Karl-Theodor zu Guttenberg im Management eingestellt. Denn der weiß, wie man Titel holt.
Borussia Dortmund: Meister der Untertreibung
Was hat sich verbessert?
Und dann ist da noch Shinji Kagawa. Der Japaner hat seinen Fußbruch, der ihn die gesamte Rückrunde zur Untätigkeit verdammte, auskuriert und präsentierte sich in der Vorbereitung in großartiger Form.
Wer sind die Stars?
Der BVB hat eine ganze Reihe von jungen Kräften mit Starpotenzial: Götze, Kagawa, Schmelzer, Hummels, Barrios und andere. Jürgen Klopp aber ist und bleibt in Dortmund die größte Show. Der Trainer ist eloquent, schlagfertig, charmant, witzig – es sei denn, er legt sich gerade mit Schiedsrichtern an, weil ihm mal wieder die Gäule durchgehen.
Wer hat das Sagen im Verein?
Ganz klar das Triumvirat aus Geschäftsführer, Sportdirektor und Trainer. Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Jürgen Klopp verstehen sich seit dem ersten Tag ihrer Zusammenarbeit als Einheit, sie nennen sich gegenseitig „Aki“, „Micha“ und „Kloppo“. Dieses Trio hat den Traditionsklub zur neuen Blüte geführt, es spricht die gleiche Sprache. Auch in der neuen Saison.
Wie steht es um die Finanzen?
Es geht weiter aufwärts im börsennotierten Unternehmen, das vor Jahren noch im Vorraum der Pathologie lag. Der Klub ist zwar noch lange nicht schuldenfrei, aber wieder handlungsfähig. Die Teilnahme an der Champions League eröffnet neue finanzielle Spielräume, mit denen die Entscheidungsträger verantwortungsvoll umgehen: Ein Drittel der veranschlagten Mehreinnahmen von 15 Millionen Euro wird in die Mannschaft investiert, deren Gehaltsbudget auf 41 Millionen Euro steigt. Ein weiteres Drittel wird in die Modernisierung des Stadions investiert, das letzte, um Schulden zu tilgen.
Was erwarten die Fans?
Die offizielle Vereinspolitik heißt Understatement. Sportdirektor Michael Zorc schiebt die Rolle des „haushohen Favoriten“ den Bayern zu, Klopp ergänzt: „Wir sind der erste Meister in der Geschichte der Bundesliga, der nicht als Titelverteidiger in die Saison geht, sondern als Herausforderer.“ Die Fans aber träumen von der Titelverteidigung und dem Gewinn der Champions League. Schließlich findet das Finale 2012 in München statt. Da war doch was, am 28. Mai 1997...
Der Deutsche Meister hat seinen Kader „in der Spitze verbreitert“, wie das so schön heißt. Mit Nuri Sahin (zu Real Madrid) ist nur ein Stammspieler gegangen. Dafür sind zwei wertvolle Kräfte hinzugekommen – genau genommen sogar drei. Ilkay Gündogan (20 Jahre alt) spielte zuletzt in Nürnberg, Trainer Jürgen Klopp hält ihn für hochbegabt. Der Kroate Ivan Perisic (22) kommt als belgischer Torschützenkönig.
Was ist in dieser Saison möglich?
Erstmals, seit Klopp in Dortmund ist, hat der Klub ein Saisonziel ausgegeben: Erreichen eines internationalen Wettbewerbs. Das klingt bescheiden bei den üppigen Möglichkeiten dieser Mannschaft. Die Borussia wird ähnlich stark sein wie in der letzten Saison, Bayern München dagegen wesentlich stärker. Es wird also ein aufregendes Rennen um die Meisterschaft.
Und sonst?
Die Hassliebe zwischen dem BVB und dem FC Schalke 04 wird weiter innig gelebt. Wer vor kurzem bei Google Maps als Zielort „Scheiße“ eingab, bekam keine Fehlermeldung, sondern landete stattdessen im Ernst-Kuzorra-Weg 1 in Gelsenkirchen, der Geschäftsstelle der Schalker. Da wird sich ein schwarz-gelber Hacker königlich amüsiert haben. Mal schauen, wie der Konter aussieht.
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