So

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Nov

2009

November 2009 - Stirb langsam!

 

  Was für ein Monat. Hertha mit dem Offenbarungseid im Heimspiel gegen Frankfurt. Machtwechsel bei Bayern München. Uli Hoeness wird Präsident, Beckenbauer Ehrenpräsident und Nerlinger bekommt den schwersten Posten von allen. Nachfolger von Uli, nach einem Jahr Lehrzeit. Hertha`s Preetz hatte fünf Jahre....

 

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10 Kommentare

  • #1

    Berliner Kurier (Montag, 02 November 2009 10:06)

    Simons Einwurf
    Not gegen Elend und Hertha siegt
    Der ARD-Sportschau-Chef schreibt jeden Montag im KURIER

    Seit 16 Jahren werden Fußballdaten erhoben. Anfänglich verspottet, bedient sich heute jeder der Zahlen über Zweikämpfe, Fehlpässe und Torschüsse. In diesen 16 Jahren sind knapp 5000 Bundesligaspiele erfasst worden. Von diesen fast 10 000 beteiligten Teams haben nur zwei eine ganze erste Hälfte lang nicht einmal auch nur in Richtung gegnerisches Tor geschossen. Irgendwann der MSV Duisburg und dann der SC Freiburg bei einem legendären 0:6 gegen Bayern.

    Am Samstag kam ein drittes dazu. Der 1.FC Köln hat in der ersten Hälfte gegen Hannover keinen Torschuss hinbekommen. Das ist aus drei Gründen bemerkenswert. Erstens, weil mit Podolski, Novakovic, Ishiaku, Freis und Maniche fünf offen-sive FC-Spieler auf dem Platz standen. Zweitens, weil Hannover über alles andere als eine überragend besetzte Defensive verfügt. Drittens, weil Köln der nächste Gegner von Hertha BSC ist. Sonntag kündigt sich die Mutter aller "Not-gegen-Elend-Spiele" im Olympiastadion an.

    Hier die bis ins Mark verunsicherte Hertha, dort disharmonierende Solisten aus Köln. Die Domstädter verfügen momentan über eine in Egoismen zerfallene Truppe, die nicht begreift, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Und genau deshalb mache ich etwas scheinbar völlig verrücktes: Ich tippe auf einen Sieg für Hertha.

  • #2

    Berliner Kurier (Montag, 02 November 2009 10:07)

    Appell an die Bosse:
    Entfacht Herthas Sturm!
    Her mit einem neuen Knipser - ob vereinslos oder ein Talent

    Berlin - Seit 441 Minuten rennen die Herthaner in Pflichtspielen einem Tor hinterher. Aber dort vorne, dort, wo der Gegner sein Tor hat, dort drüben im anderen Strafraum, dort, wo Trainer Friedhelm Funkel einst selbst 83 Tore in 320 Bundesligaspielen erzielte, dort wo Manager Michael Preetz mit 91 Treffern in 257 Spielen noch eiskalt war, dort, wo sich Wichniarek, Ramos und Co. dagegen bisher vergeblich mühten, genau dort muss endlich etwas passieren. Und zwar ganz, ganz schnell!

    Es gibt genügend vereinslose Stürmer, die auch außerhalb der Transferperioden verpflichtet werden können. Interessantester Mann auf dieser Liste ist zweifelsohne Ebi Smolarek. Der 28-Jährige hat für Dortmund einst in 81 Spielen 25 Tore erzielt, kennt sich also in der Bundesliga bestens aus. Smolareks Berater Jan de Zeeuw: "Ebi zu holen, ist keinerlei Risiko. Er trainiert bei einem Verein in Rotterdam voll mit, wäre also auch körperlich sofort bereit."

    Die Liste der Vereinslosen auf transfermarkt.de enthält auch noch altbekannte Gesichter. So sind Jimmy Gimenez (34) und Alex Alves (34) derzeit ebenfalls ohne Verein. Beim Anruf von Hertha würden die beiden wahrscheinlich sogar zu Fuß nach Berlin kommen. Auch ein ehemaliger Unioner wäre sofort zu haben. Salif Keita (34) gehört nämlich zu den Kickern, die sich im VDV-Trainingscamp fit halten.

    Manager Michael Preetz hat sich mit all diesen Varianten natürlich längst beschäftigt, ist aber nicht so richtig von einem Schnellschuss überzeugt. Preetz: "Diese Spieler haben über Monate keinen richtigen Spielrhythmus. Und bis zur Winterpause sind es nur noch sechs Partien." Herr Preetz, die Fans wollen nach vier Punkten aus elf Spielen nicht wissen, was nicht geht, sondern was die Lösung sein könnte!

    Wie wäre es dann mit den Jungs aus der Zweiten und der A-Jugend? Im Regionalliga-Team führen Junior Torunarigha (19) und Sebastian Hoeneß (27) mit jeweils vier Treffern die Torschützenliste an. Der 27-jährige Sohn des Ex-Managers spielt aber im Mittelfeld und hat drei der Tore per Elfmeter erzielt. In der A-Jugend ist U17-Europameister Abu-Bakarr Kargbo das größte Talent. Preetz: "Der Junge ist erst 16. Ihn können wir wirklich nicht zum großen Hoffnungsträger machen." Das ist vielleicht noch zu verstehen. Irgendeinen, der mit Toren für Hoffnung sorgt, müssen Preetz und Funkel aber ganz schnell finden.

    RENÉ MILLER

  • #3

    Jörg (Donnerstag, 05 November 2009 08:22)

    Geburtstag des Tages - Uwe Seeler

    In Hamburg wurde er am 5. November 1936 geboren und beim Hamburger SV hat er seine gesamte Karriere verbracht. Uwe Seeler, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft und Vizeweltmeister 1966 bei der WM in England. In 72 Länderspielen zwischen 1954 und 1970 schoß "Uns Uwe" 43 Tore. Er nahm an insgesamt vier Weltmeisterschaften von 1958 bis 1970 teil. Für den HSV erzielte Seeler zwischen 1953 und seinem Karriereende 1972 in 476 Ligaspielen 404 Tore. Deutscher Meister wurde er 1960 und den DFB-Pokal gewann er 1963 mit dem HSV. Als Mittelstürmer wurde Seeler besonders durch seine akrobatischen Tore per Fallrückzieher berühmt. In der Saison 1963/64 war er mit 30 Toren der erste Torschützenkönig der Bundesliga überhaupt. Heute lebt Uwe Seeler in Norderstedt.

  • JimdoPro
    #4

    sunshineavenue (Donnerstag, 12 November 2009 07:33)

    Ich bin damit groß geworden, mit all den Superstars, angefangen von Beckenbauer, Müller, Maier über Pfaff, Rummenigge und wie sie sonst noch alle hießen. Es gab nur den FC Bayern München, sonst nichts, für einige Zeit schlichen sich Teams wie Gladbach, Dortmund oder Hamburg mal vorbei, aber das Team in Deutschland war der FC Bayern München. Tja, um den Manager Hoeness formte sich Jahrzehntelang die Creme de la Creme. Meisterschaften, Pokalsiege, jeweils Rekordhalter in Deutschalnd und der eine oder andere Europacuptriumph konnten auf den Briefkopf verewigt werden. War in der Bundesliga ein Talent, oder ein Topspieler, ab der neuen Saison war er bei Bayern. Doch diese Geschäftspraktiken bröckeln und zwar nicht erst seit gestern. Seit 3 Jahren kann man dies beobachten, doch die Fans des Stern des Südens wollen davon nichts wissen. Bayern bröckelt, verliert seine Vormachtstellung in Deutschland. Es geht nicht mehr, die Stars der Konkurenz wegzukaufen, die sind zuviele geworden. Wolfsburg, Bremen, Leverkusen und der HSV, sie alle kratzen erfolgreich am Denkmal des FC Bayern. Jetzt kommt auch noch der Nobody Hoffenheim in den nächsten Jahren hinzu. Ein Selbstläufer ist die Deutsche Meisterschaft für die roten schon lange nicht mehr. Jetzt geht auch noch Uli von der Basis und das Ende nimmt seinen Lauf. Sicherlich, wird es noch Jahre dauern, doch mal wird von Jahr zu Jahr mehr davon zähren, vom Ruhm vergangener Tage. Die Musik in deutschland werden in Zukunft andere spielen.

  • #5

    Bild (Donnerstag, 12 November 2009 07:42)

    Robert Enke nahm sich am 10.November 2009 das Leben

    So einen Auftritt einer Witwe hat es noch nie gegeben.

    Nur 19 Stunden nach dem Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke (†32) spricht Ehefrau Teresa (33) auf einer 18-minütigen Pressekonferenz – live im TV. Sie erscheint ganz in schwarz, trinkt ein Glas „Urbacher“-Mineralwasser. In der Hand ein Blatt mit vorbereiteten Antworten, sie liest aber nicht ab. BILD dokumentiert ihre Aussagen.

    Hannover-Pressesprecher Andreas Kuhnt fragt: „Teresa, du hast ja nun mit Robert zusammengelebt. Wir haben gehört, die Depressionen verliefen in Schüben. Wie war das Leben, wenn Robert diese Schübe hatte, wenn er akut depressiv war?“

    Hintergrund
    Teresa Enke
    Sie hat alles für
    ihn gegebenAktuell
    Teresa Enke
    Sie hat ihre Tochter
    und ihren Mann verlorenVergrößern
    19 Stunden nach dem Selbstmord von Robert Enke: Pressekonferenz in der AWD-Arena
    Teresa Enke: „Wenn er akut depressiv war, dann war das schon eine schwere Zeit. Es ist klar, weil ihm auch der Antrieb gefehlt hat und die Hoffnung auf baldige Besserung. Und weil natürlich auch die Schwere darin bestand, das Ganze nicht in die Öffentlichkeit hinauszutragen.

    Weil es sein ausdrücklicher Wunsch war – aus Angst, seinen Sport und sein Privatleben und alles zu verlieren. Was natürlich im Nachhinein Wahnsinn ist. Weil, es kommt jetzt ja auch raus.

    Die Zeit während der Depressionen war nicht einfach, aber wir haben sie zusammen durchgestanden, weil wir schon einmal so eine Zeit – nach Istanbul und Barcelona – durchgestanden haben. Auch mit Doktor Marksers Hilfe. Und einfach so viel Hoffnung daraus gezogen haben, was wir alles schaffen können.

    Und auch nach Laras Tod, das hat uns einfach so zusammengeschweißt, dass wir gedacht haben, wir schaffen alles. Und wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Aber man schafft’s doch nicht immer.“

    Kuhnt: „Wie hast du ihm konkret geholfen in dieser Zeit?“

    Teresa Enke: „Ich habe versucht, für ihn da zu sein. Ihm Perspektiven und Hoffnung zu geben. Ihm zu sagen, dass der Fußball nicht alles ist und dass es so viele schöne Dinge im Leben gibt, auf die man sich freuen kann. Dass wir uns haben. Dass wir Leila haben. Dass wir Lara hatten!
    Und ja, das Wichtige war einfach die Perspektive. Dass es nichts Auswegloses gibt. Dass es für alles eine Lösung gibt, wenn man zusammenhält. Das haben wir gemacht. Ich war immer dabei. Ich bin immer mit zum Training gefahren die letzten Male.
    Und habe ihn immer begleitet, wollte ihm einfach helfen, das durchzustehen. Ich habe auch immer gesagt, dass wir andere Hilfe in Anspruch nehmen können, wie die Klinik. Aber er wollte es aus Angst nicht, dass es rauskommt.

    Auch aus Angst, dass man Leila verliert, wenn man einen depressiv kranken Vater hat. Wo sich herausgestellt hat, dass es nicht stimmt. Ich habe auch schon mit dem Jugendamt telefoniert, und es hätte für alles eine Lösung gegeben.“

    Kuhnt: „Also, ihr hattet auch zusätzlich noch Angst, dass ihr möglicherweise eure Adoptivtochter verlieren könntet, wenn die Krankheit von Robert an die Öffentlichkeit käme?“

    Teresa Enke: „Das ist die Angst: Was denken die Leute, wenn man ein Kind hat und der Papa ist depressiv? Aber ich habe ihm damals auch schon immer gesagt, das ist kein Problem. Die Leute, das sind alles Pädagogen, die wissen, dass es zu behandeln ist. Und dass der Robert sich liebevoll um Leila gekümmert hat. Bis zum Schluss.“

    Kuhnt: „Wir haben gerade gehört von Dr. Markser, dass Fußball für ihn etwas ganz Wichtiges war, ein ganz wichtiger Bezugspunkt. Du warst ja nun noch dichter dran, war es für ihn mehr Erfüllung oder Druck? Oder beides gleichzeitig?“

    Teresa Enke: „Es war alles. Das war sein Leben, sein Lebenselixier. Es war alles. Es hat ihm Halt und Kraft gegeben. Die Mannschaft - als es ihm scheinbar ein bisschen besser ging, hat er auch gesagt, wie schön es ist, wieder Teil der Mannschaft zu sein.

    Auch damals, als er in Barcelona aussortiert wurde, wo er auch krank war. Da hat er auch gesagt, es ist so schön, bei der Mannschaft zu sein, mit den Jungs Spaß zu haben. Das Training, das war für ihn der Halt. Dass er jeden Tag da hinfahren konnte, das war für ihn das Wichtigste in dieser Situation. Das Training und die Mannschaft.“

    Kuhnt: „Teresa, wir wünschen dir alles Gute. Und: Bleib bei uns!“

    Abends geht Teresa Enke zum Trauergottesdienst in der Marktkirche in Hannover.

  • #6

    Frankfurter Rundschau (Donnerstag, 12 November 2009 07:54)

    Theo Zwanziger, Oliver Bierhoff und Harald Stenger erscheinen im Raum 006 der Bonner Telekom-Zentrale mit den Mienen von Männern, die stundenlang geweint haben. Es ist Mittwoch, 14.30 Uhr. Der Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke ist erst 20 Stunden her. Die Botschaft des Trios, vorgetragen vom Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, ist unmissverständlich: Es wird, so Zwanziger, am Samstag in Köln kein Länderspiel gegen Chile geben.

    Die Spieler und Betreuer der deutschen Nationalelf und ebenso die Funktionäre, sie alle wollen anders Abschied nehmen vom Torhüter aus Hannover. "Wir müssen auch einmal innehalten können, wir dürfen nicht einfach in unserer Geschäftsmäßigkeit weitermachen", sagte der DFB-Präsident mit fester Stimme, wenn auch sichtlich bewegt.
    Theo Zwanziger konnte seine Emotionen mit Mühe unter Kontrolle halten, Oliver Bierhoff vermochte das nicht. "Wir sind alle fassungslos, sprachlos und auch hilflos", erklärte der Teammanager der Fußball-Nationalmannschaft, "es hätte in Köln auch ein Abschiedsspiel gegen Chile sein können, aber es ist ein klares Gefühl, dass es zu früh käme." Das war der letzte Satz, den der ehemalige Nationalspieler hervorbrachte, dann brach er in Tränen aus und vermochte sich minutenlang nicht mehr zu fassen.
    "Sie werden jetzt Kommentare darüber schreiben, ob diese Absage richtig ist", sagte Bierhoff den anwesenden Menschen von der Presse mit stockender Stimme, "aber Sie waren ja nicht dabei. Alle Spieler fühlen so wie ich." Tränen traten endgültig an die Stelle von Worten. Während Theo Zwanziger und DFB-Mediendirektor Harald Stenger weitersprachen, versuchte der 41-jährige Bierhoff, sein Gesicht mit mit der bloßen Hand zu trocknen. Ein paar Minuten später meldete er sich dann noch einmal tapfer zu Wort. "Ich glaube, jetzt geht es wieder."

    Joachim Löw war nicht zu der Pressekonferenz erschienen. Er sah sich außerstande, seine Gefühle angesichts der Tragödie von Robert Enke vor laufenden Kameras zu beschreiben. Auf seiner Homepage veröffentlichte der DFB das Statement des Bundestrainers. "Ich bin völlig schockiert, völlig leer", wird Löw da zitiert, "Mein ganzes Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Familie."


    Spieler und Trainerstab fragen sich, wie ihnen die Krise verborgen bleiben konnte

    Löw findet sehr persönliche Worte, um den Verlust zu beschreiben: "Robert war nicht nur ein herausragender Spieler, sondern auch ein toller Mensch. Wir haben wunderbare Gespräche geführt. Er konnte zuhören und ist anderen mit unglaublichem Respekt begegnet. Fairness war für ihn immer ein wichtiger Lebensinhalt." Die Absage des Chile-Länderspiels sei völlig richtig, so der Bundestrainer. "Niemand fühlt sich in der Lage, in dieser Situation einfach zur Tagesordnung überzugehen."

    Was die Gefährten und den Trainerstab am meisten bewegt, ist die Frage, wie ihnen die tiefe Krise, die Krankheit des Mitspielers verborgen bleiben konnte. "Wir sind hilflos, offenbar konnten wir nie über die Oberfläche des Menschen Robert Enke hinaus sehen", sagte Bierhoff, "wir fragen uns: ,Hätten wir es spüren können?'" Michael Ballack habe Enke seit seinem 13. Lebensjahr gekannt, Per Mertesacker jahrelang mit ihm in Hannover gespielt. "Robert hatte viele Gespräche mit unserem Psychologen Hans-Dieter Hermann", berichtete Bierhoff, "aber keiner, keiner hat Grund gehabt, an diese Krankheit zu glauben. Robert hatte immer ein Lächeln, eine tolle Ausstrahlung, er gab der Mannschaft Halt."

    Verbandschef Zwanziger hatte keine Lust, auf technische Details der Länderspiel-Absage einzugehen. Er dankte den Chilenen für deren Verständnis. "Ich habe mit der chilenischen Delegation gesprochen, und sie haben spontan geantwortet: ,Wir hätten es genauso gemacht.'" Die Spieler, erklärte der DFB-Chef, seien bereits abgereist und auf dem Heimweg. Man werde sich am Sonntag in Düsseldorf wieder treffen, um die Vorbereitung auf das Länderspiel gegen die Elfenbeinküste (Mittwoch, 20.45 Uhr) aufzunehmen.

    Zuvor werden das Team und das Verbandspräsidium in Hannover an einer Trauerfeier für Robert Enke teilnehmen.






  • #7

    Frankfurter Rundschau (Donnerstag, 12 November 2009 07:56)

    Kommentar: Versagensangst
    Von Thomas Kilchenstein
    Irgendetwas muss da in Robert Enke zerbrochen sein, damals 2003, erst in Barcelona, dann in Istanbul, wo er vorschnell und gnadenlos aussortiert worden war, einmal vom Trainer, das andere Mal von den eigenen Fans, die keine Fehler verziehen. Da ist etwas kaputt gegangen bei Robert Enke. Da hat er auf brutale Weise erfahren müssen, um was es eigentlich geht in diesem Fußball-Geschäft:

    Du musst funktionieren, du musst deine Rolle spielen, du musst Held sein. Eine Schwäche darf sich keiner erlauben, und wenn doch, ist der nächste nicht weit, der einen wegbeißt. Das hat Enke, ein sensibler, intelligenter, bodenständiger Typ, sehr belastet, es hat ihn verändert: Diese respektlose Geringschätzung traf ihn - im Wortsinne - in der Seele. "Das war mehr als eine Krise, das war existenziell", hat er über diese Zeit gesagt. Da befand er sich schon wegen seiner Depressionen in psychiatrischer Behandlung.
    Wir sehen in den Fußballspielern immer nur die Stars auf der Sonnenseite des Lebens, reich, berühmt, umjubelt. Wir sehen nicht oder viel zu selten die Schattenseite dieses knallharten Gewerbes, die Furcht, dem immensen Anspruch der Branche nicht gerecht zu werden. Wir wissen nichts von der Angst vor dem Versagen, vor dem Eingeständnis persönlicher Niederlagen. Wir ahnen nur, welch unmenschlicher Druck es sein kann, Samstag für Samstag Vorbild- oder gar Kultfigur sein zu müssen fürs ganze Volk.

    Robert Enke hat seine Krankheit mit allen Mitteln vor der Öffentlichkeit verbergen wollen - offenbar weil er Angst hatte, als Schwächling oder Versager dazustehen. Fußball war sein Leben. Robert Enke hat bis zum Schluss versucht, so gut es eben geht, zu funktionieren und zu verdrängen. Doch es ging nicht gut: War es nur Zufall, dass immer, wenn er sich fast am Ziel wähnte, etwas dazwischen kam? Mal eine banale Handverletzung, mal eine mysteriöse Infektion.

    Depression gehört wie Homosexualität oder Burn-out-Syndrom zu den Tabu-Themen der Bundesliga. Auch Sebastian Deisler ist an den Härten dieses Geschäfts fast zerbrochen. Vielleicht rüttelt der Tod von Robert Enke wach: Es ist nur ein Fußballspiel - das wahre Leben ist anders.

    Eine der Reaktionen des Deutschen Fußball-Bundes auf den Suizid von Robert Enke ist ungewöhnlich und setzt einen Maßstab: Der Verband sagt das Länderspiel am Samstag gegen Chile in Köln ab. Oft genug antworten Veranstalter auf tragische Ereignisse mit dem "The games must go on", eine Maxime, die das Internationale Olympische Komitee nach dem Attentat palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft während der Spiele von München prägte. Und oft verbirgt sich hinter der vermeintlich persönlichen Begründung ("Die Nichtabsage ist ganz im Sinne des Verstorbenen") doch nur die profane Befürchtung wirtschaftlicher Verluste.

    Indem der DFB es nicht bei den Elementen Schweigeminute/Trauerflor belässt, schafft er Raum für Gedenken und Gedanken. Enke litt an Depressionen, aber er traute sich nicht, darüber zu reden, aus Angst vor negativen Reaktionen, aus Angst um seine Familie und seine Stellung in seinem Beruf. Ob ein anderer Umgang mit seiner Krankheit sein Leben gesichert hätte, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Der Fall des ehemaligen Bundesliga-Fußballers Sebastian Deisler, der sich mitten in der Karriere zur Behandlung seiner Depression zurückzog (und vor zwei Jahren den Leistungssport aufgab und die Rolle des Stars beendete), ist womöglich nicht vergleichbar.
    Aber es hilft in jedem Fall, wenn Depression den Ruf der Laune verliert, wenn sie als Krankheit akzeptiert wird, über die zu sprechen nicht als Zeichen der Schwäche ausgelegt wird, sondern für Freunde, Bekannte, Kollegen die dringende Aufforderung ist, sich um den Patienten zu kümmern.

  • #8

    Jörg (Montag, 23 November 2009 07:49)

    Das Berlin das Armenhaus in Deutschland ist, ist ja schon seit langem klar. Diesbezüglich ist es auch nicht weiter verwunderlich, das hier in der Hauptstadt die Weisheit nicht mit Löffeln gegessen wird. Bestes Beispiel ist der Rot-rote Senat. Seit einiger Zeit rechne ich auch die alte Dame Hertha BSC dazu, spätestens seit diesem Wochende für ganz große Hardcore Fans. Warum? Borussia Dortmund gab den Ausschlag! Da fand an diesem Wochende die JHV statt. Man erzählte von über 700000 Gewinn nach Steuern im laufenden Geschäftjahr, das ist nicht ausschlaggebend, ausschlaggebend war der aktuelle Schuldenstand von 3,7 Mio Euro!!! Klingelts da bei einigen? Nein? Ich helfe Euch mal auf die Sprünge. Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Schuldenstand auf 70 Mio Euro!!! Jetzt hat es geklingelt! Ein sensationeller Abbau ohne die Mannschaft in akuter Abstiegsgefahr zu bringen! Saison 08/09: Hertha fast Meister, in der Rückrunde eine sensationelle Auslastung des Olympiastadions, die Zukunft sah rosig aus, trotz 30Mio Schulden. Doch was machten die hochintelligenten Hertha Bosse. Sie gaben die Leistungsträger ab, feuerten noch etliche aus der Gschäftsführung gegen hohe Abfindungen, stehen jetzt, dank der intelligenten Sparmaßnahmen auf einen Abstiegsplatz mit einem Schuldenstand von 33,5 Mio, der aber noch anwächst, da die Abfindungen, laut Presse, noch nicht bezahlt wurden. Alles in allem, kommen also noch mal 5 Mio drauf, mit dem Tabellenplatz gehen TV Gelder flöten, also summasumarum kann man hoffen, das im Sommer 2010 nicht über 40 Mio hinausgeschossen wurde. Sehr clever! Mich wundert an der ganzen Sache nur, das Herr Gegenbauer seine Firma noch nicht an die Wand gefahren hat, bei der Art vom wirtschaftlichen denken. Wer Berlin betritt, muß die Cleverness draußen lassen!!!!

  • #9

    Kicker (Dienstag, 24 November 2009 07:16)

    Rekordumsatz für Werder Bremen
    Bei Werder Bremen sieht es derzeit in allen Belangen rosig aus. Neben den sportlichen Erfolgen läuft es auch in wirtschaftlicher Sicht sehr gut für den Bundesligisten. Die Hanseaten konnten im fünften Jahr nacheinander einen Rekordumsatz vorweisen. Auch der Gesamtverein "Werder" von 1899 e.V. wies erneut eine positive Bilanz auf.

    Gute Laune: Es läuft rund für Klaus Allofs und Thomas Schaaf
    Die Werder Bremen GmbH & Co KG aA erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr 120,7 Millionen Euro und steigerte damit das eigene Vorjahresergebnis von 112,4 Millionen Euro um 8,3 Millionen Euro. Beim Reingewinn ist das aber nicht der Fall. Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs bezifferte diesen auf 6,2 Millionen. Der bisherige Rekorderlös wurde im Jahr 2007 (8,3 Millionen Euro) erwirtschaftet.

    "2007 waren aber noch Gelder aus der WM und der Kirch- Insolvenz dabei. Deshalb haben wir dieses Mal aus eigener Kraft noch mehr geschafft", beurteilte Allofs am Montagabend auf der Mitgliederversammlung das Resultat äußerst positiv.

    Laut Allofs fällt das Ergebnis wegen des gewonnen DFB-Pokals sowie des guten Abschneidens in den internationalen Wettbewerben Europapokal und Champions League derart positiv aus. "Der Verein ist schuldenfrei und so soll es auch bleiben", erklärte Allofs. "Wir werden unsere hanseatische Philosophie fortsetzen und wirtschaftlich arbeiten."

    Auch der Gesamtverein wies erneut eine positive Bilanz auf. Seit 2002 stieg die Zahl der Mitglieder von 3 000 auf nunmehr 36.000, wie Klaus-Dieter Fischer, Präsident des Gesamt-Vereins "Werder" von 1899 e.V., erklärte.

  • #10

    Berliner Kurier (Sonntag, 29 November 2009 13:33)

    Aus! Aus! Aus! Hertha (ist fast) abgestiegen!
    Nervenschwach, total desolat, die Hosen voll, Fans flüchten vorzeitig



    Ab jetzt wird auch der größte blau-weiße Optimist zum Narren. Grausamer Fußball, hoffnungslose Lage, mit fünf Punkten abgeschlagen Tabellenletzter. Und Hertha verliert 1:3 (0:1) im Heimspiel, im Schicksalsspiel gegen Eintracht Frankfurt. Der Abstieg ist nicht mehr aufzuhalten. Aus! Aus! Aus! Hertha ist raus!

    Als diese schlimme Vorstellung abgepfiffen wurde, schlichen die Spieler im Gänsemarsch ganz schnell vom Platz. Nur der eingewechselte Christoph Janker blieb stehen, schnappte sich den Ball und drosch ihn vor Wut 40 Meter in Richtung des leeren Hertha-Tors. Selbst dieser Schuss saß nicht, er landete auf dem Netz.

    Nein, nicht nur dieser Schuss ging nach hinten los. In der Woche hatten sich die Spieler selbst Druck aufgebaut. Kapitän Arne Friedrich kündigte an: „Wenn wir nicht gewinnen, ist die Kacke am Dampfen.“

    Was man gestern sah, lässt es nur einen Schluss zu: Die blau-weißen Profis hatten die Hose voll. Total nervenschwach, total desolat, hinten, vorne, überall. Manager Michael Preetz sagte später: „Die Verunsicherung war zu sehen.“

    Spielerisch, auch kämpferisch reicht es nicht – und jetzt liegen auch noch die Nerven blank. Diese Absturzspirale ist nicht mehr aufzuhalten.

    Spätestens nach dem 0:1 nach nur elf Minuten durch Frankfurts Ochs war den 48 253 Zuschauern im Olympiastadion klar, dass das ein blau-weißer Untergang erster Klasse wird. Es reicht nicht mehr! Frankfurts rund 2500 mitgereiste Fans hatten nur noch Spott und sangen: „Hey, das geht ab, die Hertha steigt endlich ab!“

    Es folgten in der zweiten Halbzeit das 0:2 durch Franz (70.), das 0:3 durch Meier (75.). Hertha ging unter und die eigenen Fans flüchteten eine Viertelstunde vor dem Abpfiff aus der Betonschüssel, sahen nicht mal mehr Ramos’ Ehrentreffer zum 1:3 (81.). Die restlichen Anhänger sangen: „Wir haben die Schnauze voll!“

    Die Geduld, die Hoffnung ist am Ende. Herthas 13. Bundesliga-Saison nach dem Wiederaufstieg 1997 ist die fatale Unglückssaison. Preetz sagt zwar: „Wir werden nicht aufgeben.“ Aber wer glaubt das noch? Fabian Lustenberger verneint auch, dass Hertha bereits abgestiegen ist: „Erst wenn rechnerisch nichts mehr geht, sind wir weg. Es sind noch 60 Punkte zu vergeben.“ Nein, nein, Hertha holte bisher von möglichen 42 Punkten aus 14 Spielen fünf. Es wird eine lange grausame Abschiedstournee ...

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